BVMed-Hygieneforum - Infektionsschutz im Vordergrund

Am 5. Dezember 2017 fand in Berlin das 6. BVMed-Hygieneforum „Prävention von Krankenhausinfektionen“ mit rund 110 Teilnehmern statt. Die Themen Krankenhaushygiene und Infektionsschutz bleiben auch in der neuen Legislaturperiode ein wichtiges Thema für die Politik.

von  Raimund Koch, PAUL HARTMANN AG
Als wesentliche Erkenntnis bleibt festzuhalten, dass das Thema der nosokomialen Infektionen nach wie vor eine hohe gesundheitspolitische Bedeutung hat. Sowohl die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Ingrid Fischbach, wie auch der CDU-Abgeordnete Lothar Riebsamen betonten, dass in der nächsten Legislaturperiode der Infektionsschutz auch in der Gesundheitspolitik eine wichtige Rolle spielen wird. Ob ein neues Hygienegesetz kommen wird, bleibt aber aktuell offen.

Prof. Geffers von der Charité stellte eine neuere Studie vor, die eine rückläufige Zahl von MRSA-Neuinfektionen in Deutschland nachweist. Begründet wird dies durch eine insgesamt höhere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für Hygienethemen im Krankenhaus.

Deutlich kritisiert wurde in verschiedenen Vorträge auch der überholte Antibiotikaeinsatz, der fast zwangsläufig zu Resistenzen führen müsse. Auch hier ist dringender, auch politischer Handlungsbedarf notwendig.  
Fischbach, Koch und Schmitt
v.l.n.r.: Ingrid Fischbach, Raimund Koch, Joachim M. Schmitt (Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des BVMed)
Insgesamt bildet das BVMed-Hygieneforum das breite Spektrum der Hygienediskussion in Deutschland ab. Inhaltlich orientieren sich die Vorträge auch an BVMed-Themen, wie beispielsweise der Wundversorgung. PHD zeigt beim Hygieneforum deutliche Präsenz: wir haben maßgeblichen Einfluss auf die Programmgestaltung und moderieren die Veranstaltung (Koch).

Interessant war im Vortrag von Frau Prof. Geffers auch, dass die Resistenzrate bei MRSA in Deutschland bei knapp über 10 % liegt. Der europäische Durchschnitt beträgt rund 13 % - von Norden nach Süden ansteigend. Im Trend der letzten Jahre sinken die MRSA-Resistenzraten auf europäischer Ebene. Dies belegen auch die sogenannten KISS-Daten. Waren vor 10 Jahren noch über 34.000 MRSA-Neuinfektionen im Krankenhaus zu verzeichnen, sind es aktuell unter 20.000 Patienten.  

Frau Prof. Slevogt vom Universitätsklinikum Jena zeigte auf, dass auch bei den von der modernen Zivilisation unberührten Amazonasstämmen Antibiotikaresistenzen nachgewiesen werden konnten. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass Antibiotikaresistenzen von Bakterien natürlich entwickelt werden, unabhängig vom Einsatz von Antibiotika.

Prof. Kröger, Chefarzt in Helios Klinikum Krefeld und Vorstandsmitglied der Initiative chronischer Wunden, fasste die Studienlage zu postoperativen Wundinfektionen zusammen und kommt zu dem Ergebnis, dass eine standardisierte gute Hygiene eine wesentliche Voraussetzung für die Vermeidung von postoperativen Wundinfektionen ist.  

Dr. Johannes Tatzel, Leiter des Instituts für Krankenhaushygiene der Kliniken Heidenheim, schilderte erste praktische Erfahrungen mit der neuen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) zur Prävention von Infektionen die von Gefäßkathetern ausgehen. Tatzel begrüßte die Empfehlung der KRINKO ausdrücklich, machte aber auch klar, dass es in der Praxis noch viele ungelöste Fragen gibt.