Krankenhaus –
App to date

Gesundheits- und Fitnessapps auf dem Smartphone sind im Trend. Aber auch für professionelle medizinische Anwendungen sind digitale Lösungen im Kommen, wie die Observe-App zur Beobachtung der Händehygiene beweist, die das BODE SCIENCE CENTER entwickelt hat.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Schritte zählen, Kalorien messen, den Schlaf aufzeichnen und die Atmung optimieren: GesundheitsApps, die das allgemeine Gesundheitsbewusstsein fördern und die Fitness stärken sollen, sind bei Deutschen beliebt. So nutzt jeder zweite Smartphone-Besitzer mindestens eine der 259.000 Gesundheits-Apps, die derzeit am Markt verfügbar sind.  

Noch dominieren Angebote zur Selbstoptimierung  – nur etwa 20 % der eHealth-Lösungen werden derzeit im professionellen Umfeld genutzt. Dabei sehen Experten wie PD Dr. Urs-Vito Albrecht, Medizinische Hochschule Hannover, vor allem einen Nutzen in Medical Apps, die beispielsweise die Versorgung chronisch Kranker verbessern. Immerhin sind in Deutschland 43 % der Frauen und 38 % der Männer von einer chronischen Erkrankung betroffen – Tendenz steigend.

Für diese Patientengruppe hat die Charité Universitätsmedizin Berlin unter der Leitung von Professor Klemens Budde einen neuen eHealth-Ansatz entwickelt: Das Forschungsprojekt MACSS (Medical Allround-Care Service Solutions) bietet eine digitale Plattform, die chronisch kranke, nierentransplantierte Patienten, niedergelassene Ärzte und die behandelnde Klinik vernetzt und die Sicherheit der Patienten erhöhen soll. Die verbesserte Kommunikation und Verfügbarkeit von Daten zeigt bereits Erfolge und könnte Modell stehen für die digitale Unterstützung beim Umgang mit weiteren chronischen Erkrankungen.

Digitale Lösungen für den Infektionsschutz

Das Potenzial von eHealth-Lösungen für die Patientensicherheit hat auch das BODE SCIENCE CENTER frühzeitig erkannt: Bereits 2013 entwickelte das wissenschaftliche Kompetenzzentrum für Hygiene und Infektionsschutz der HARTMANN GRUPPE, Heidenheim, E-Learning-Anwendungen zur Händehygiene. Dass E-Learning-Programme die Händehygiene-Compliance erhöhen, bestätigten in einer amerikanischen Studie 97 % der Befragten aus Gesundheitseinrichtungen. In eigenen Untersuchungen des BODE SCIENCE CENTER zu seinen E-Learning-Tools gaben 93 % der Befragten an, dass sie die Inhalte des 5 Momente-E-Learning-Tools erfolgreich in die Praxis umsetzen konnten. 83% berichteten, dass sie den richtigen Moment für eine Händedesinfektion erkennen. Die richtige Indikation ist bei der Händedesinfektion der entscheidende Faktor für die Patientensicherheit. 
Neben E-Learning-Anwendungen umfasst das eHealth-Paket des BODE SCIENCE CENTER auch Appbasierte Beobachtungen und Auswertungen der Händehygiene. Aktuell wurde im September 2017 eine Weiterentwicklung des Beobachtungs-Tools „Observe“ realisiert. Die eHealth-Applikation ermöglicht Beobachtungen des Händehygieneverhaltens, Feedback und Auswertungen und bietet eine Schnittstelle zur HAND-KISS-Anwendung des Nationalen Referenzzentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ).

Die direkte Beobachtung der Händehygiene, verbunden mit Feedback, gilt als wichtiges Element zur Erhöhung der Händehygiene-Compliance. Die WHO bezeichnet diese Maßnahme als „Goldstandard“ und hat im vergangenen Jahr Monitoring und Feedback mit der Kategorie „starke Empfehlung“ noch einmal aufgewertet. In Deutschland legte das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) fest, dass Einrichtungen Compliance-Überprüfungen im Rahmen der postoperativen Wundversorgung als Qualitätsindikator für die Vermeidung nosokomialer Infektionen durchzuführen haben.

Mit direkter Beobachtung zu aussagekräftigen Erkenntnissen


Mit seiner digitalen Lösung für Compliance-Beobachtungen unterstützt das BODE SCIENCE CENTER Krankenhäuser dabei, einfacher, effizienter und zeitgemäßer bei der Umsetzung von Infektionsschutzmaßnahen agieren zu können.

Die eHealth-Applikation „Observe“ kann nicht nur unbegrenzte Datenmengen aufzeichnen, die für die Bewertung der Hygiene-Situation herangezogen werden. Eine Vielzahl unterschiedlicher Auswertungsszenarien, beispielsweise nach Indikationen oder Berufsgruppen ermöglicht auch ein sehr differenziertes Bild des Status Quo der Händehygiene. Die Digitalisierung der Datenübertragung und -auswertung spart zudem Zeit. Erfahrungen zeigen, dass sich durch eine digitale Lösung der zeitliche Aufwand bei der Datenübertragung um mehr als 90 Prozent reduzieren lässt.

Pilotkliniken wie die Medizin Campus Bodensee GmbH schätzen an dem digitalen Beobachtungs-Tool auch die hohe Datenqualität, die ein übersichtliches Bild der Compliance auf den Stationen darstellt und Hygienekommissionen und Klinikleitungen valide Erkenntnisse liefert. Unter der fachlichen Leitung der Hygienefachkraft Brigitte Rüstau konnten an der Medizin Campus Bodensee GmbH mit der eHealth-Applikation des BODE SCIENCE CENTER mehr Beobachtungen durchgeführt werden. Neben der Qualität überzeugt daher auch die Quantität der Daten. Die repräsentative Datenmenge trägt dazu bei, die Bedeutung der Hygiene auf institutioneller Ebene zu stärken. Dass sich im Rahmen eines multimodalen Programms unter Einsatz der „Observe“ eHealth-Applikation auch die Händehygiene-Compliance direkt steigern lässt, zeigen Ergebnisse einer spanischen Klinik: Hier konnte die digitale Beobachtung und Auswertung im Kontext eines multimodalen Programms die Bereitschaft zur korrekten Händehygiene der Mitarbeiter von 38 % auf 70 % erhöhen.