Uni Ulm ehrt sozialpsychologische Händehygieneforschung

Stiftungspreis „Kooperation Wissenschaft-Wirtschaft“ der Universität Ulm geht an Sozialpsychologe Prof. Dr. J. Keller für seine Kooperation mit der PAUL HARTMANN AG und dem BODE SCIENCE CENTER.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Das Händedesinfektionsmittel in die hohle Hand geben, die Haut gut benetzen und 30 Sekunden sorgfältig einreiben – Fingerkuppen und Daumen nicht vergessen! Wie die hygienische Händedesinfektion funktioniert, ist hinlänglich bekannt. Auch, dass die Maßnahme das effektivste Mittel in der Prävention nosokomialer Infektionen darstellt, ist ausreichend etabliert. Dennoch: Mit Compliance-Raten zwischen 41 und 55 % (Robert Koch-Institut) ist beim Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern noch deutliches Verbesserungspotenzial vorhanden. Mitarbeiter in Gesundheitseinrichtungen wissen um die zentrale Rolle der Händedesinfektion – allein bei der Umsetzung hapert es.

Prof. Dr. Johannes Keller
Prof. Dr. Johannes Keller

Das Robert Koch-Institut spricht in diesem Zusammenhang von einer Intentions-Verhaltens-Lücke, der psychosoziale Faktoren zugrunde liegen. Diesen Faktoren geht seit 2011 Prof. Dr. Johannes Keller, Abteilung Sozialpsychologie der Universität Ulm, in Kooperation mit dem BODE SCIENCE CENTER, dem Kompetenzzentrum der HARTMANN GRUPPE, auf den Grund. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit, die die Universität Ulm nun mit dem „Stiftungspreis Kooperation Wissenschaft-Wirtschaft“, dotiert mit 8.000 €, auszeichnet.

Prämierter Perspektivenwechsel:
Neue Ansätze in der Compliance-Forschung

Im Rahmen des Jubiläumsfestes der Hochschule am 21.07.2017 würdigt der Universitätsausschuss erstmalig ein Projekt aus dem Bereich der Psychologie – und damit auch den innovativen Forschungsansatz der Kooperation. Bisherige Bemühungen, die Händehygiene-Compliance zu verbessern basierten häufig auf Schulungen und der Vermittlung von Informationen. Prof. Keller und seine Kollegen betrachteten die Thematik aus einer anderen Perspektive und untersuchten, wie Empathie und unbewusste Einstellungen die Händehygiene beeinflussen. Diese vielfach publizierten Ergebnisse bilden wiederum die Grundlage für neue Ansätze, um die Händehygiene-Compliance zu verbessern – darunter neue, Kamera-basierte Messverfahren, Interventionsansätze und alltagsnahe Verhaltensszenarien für Schulungszwecke sowie weitere empirische Forschungsprojekte.

Nicht zuletzt profitierte die Arbeitsgruppe dabei vom praxisnahen Input aus der Wirtschaft: „Das BODE SCIENCE CENTER ist bei unserer Kooperation nicht nur Geldgeber.“, erklärt Prof. Keller „Die Kollegen begleiten unsere Studien aus unternehmerischer Perspektive. Sie geben so immer wieder wertvollen Input, der uns hilft, die Forschungsergebnisse in konkrete Verfahren und Interventionsmaßnahmen zu übersetzen.“