Europäischer Antibiotika Awareness Tag

Europäischer Antibiotika Awareness Tag – Aufruf zum Handeln

Jedes Jahr ruft das ECDC zu erhöhter Aufmerksamkeit gegenüber dem Einsatz von Antibiotika auf. Im Fokus steht die One-Health-Strategie: Der Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinsatz und das Vorkommen von Antibiotika in der Umwelt ist die Basis für Maßnahmen.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Antibiotika-Resistenzen sind längst ein globales Problem. Weltweit sterben jedes Jahr 700.000 Menschen an Infektionen mit resistenten Erregern. 2015 hat die WHO einen Global Action Plan verabschiedet, der Basis des neuen European One Health Action Plan against Antimicrobial Resistance (AMR) ist. Um den Infektionsschutz als vielversprechenden Ansatz gegen Antibiotikaresistenzen zu fördern, hat die WHO aktuell eine neue Prioritäten-Liste für Maßnahmen zum Infektionsschutz veröffentlicht – einen Call-to-action für die nächsten 5 Jahre.

Medikamente
Weltweit hat der unsachgemäße Antibiotikaverbrauch zu Resistenzen geführt

Der 18. November, der Europäische Antibiotika Awareness Tag des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), stand ganz im Zeichen der zunehmenden Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte nun zum dritten Mal vom 13. bis 17. November ihre World Antibiotic Awareness Week durch.

Antibiotika-Resistenzen – ein Prozess, bei dem Bakterien Abwehrstrategien entwickeln, die Antibiotika unwirksam machen – sind längst ein globales Problem. Weltweit sterben jedes Jahr 700.000 Menschen an Infektionen mit resistenten Erregern. Allein Europa verzeichnet jährlich rund 25.000 Tote durch Antibiotika-Resistenzen. Die zusätzlichen Kosten für das Gesundheitssystem und den jährlichen Produktivitätsverlust betragen in Europa rund 1,5 Milliarden Euro.

Sektoren-übergreifend handeln

Welche Ursache letztendlich zur Abwärtsspirale der Wirksamkeit von Antibiotika geführt hat
– der falsche Gebrauch in der Humanmedizin oder der massenhafte Einsatz in der Tierhaltung oder beides – die zunehmende Resistenz von Bakterien gegenüber einst wirksamen und dringend benötigten Medikamenten erfordert ein effizientes Vorgehen.

Im Jahr 2015 hat die WHO gemeinsam mit der Welttiergesundheitsorganisation (OIE) und der Weltorganisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) ihren Global Action Plan on Antimicrobial Resistence verabschiedet. Auf Basis des WHO Action Plans und dem One-Health-Ansatz hat die EU in diesem Jahr ihren European One Health Action Plan against Antimicrobial Resistance (AMR) veröffentlicht. Der Plan konzentriert sich auf Strategien, die besonders vielversprechend für die Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen sind:

  • Förderung eines rationalen Einsatzes von Antibiotika
  • Verbesserung der Sektoren-übergreifenden Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin und der Landwirtschaft
  • Verbesserung der Maßnahmen zur Infektionsprävention
  • Kontinuierliche Überwachung der Antibiotika-Resistenzen und des Antibiotika-Verbrauchs

Die nächsten 5 Jahre

Auch abseits der „großen Politik“, zum Beispiel auf Klinikebene lassen sich effiziente Maßnahmen zur Eindämmung von Antibiotika-Resistenzen umsetzen, die unmittelbar, ohne Verzögerung greifen. So erinnert die WHO beispielsweise in ihrer aktuellen Antibiotika-Resistenz-Kampagne daran, dass „mit jeder Infektion, die verhindert wird, der Einsatz von Antibiotika entfällt“.

Händedesinfektion
Ein funktionierender Infektionsschutz ist die Voraussetzung für die Patientensicherheit weltweit

Ganz aktuell hat die WHO im November 2017 einen Aufruf veröffentlicht, der die wichtigsten Infektionsschutzmaßnahmen für die nächsten 5 Jahre benennt: Der „Global infection prevention and control priorities 2018–22: a call for action“. Gemeinsam mit ihrem globalen Netzwerk aus Infektionsschutz-Verantwortlichen identifiziert die WHO für Einrichtungen, in denen bereits Infektionsschutzprogramme etabliert wurden, folgende Prioritäten:

  • Verstärkte Rechenschaftspflicht mit der Infektionsprävention als Qualitätsindikator
  • Entwicklung moderner IT-Werkzeuge, die das Monitoring und die Umsetzung von Präventionsmaßnahmen unterstützen
  • Verstärkung der Aufmerksamkeit und des Engagements durch eine verbesserte Kommunikation
  • Schaffung glaubwürdiger Anreize, welche die lokalen Bedingungen zur Erhöhung der Compliance berücksichtigen
  • Fachbereichsübergreifende Verankerung des Wissens zur Infektionsprävention durch verstärkte Aus- und Weiterbildung

Die neuen Prioritäten von der WHO und dem GIPC (Global Infection Prevention Controllers) ergänzen die bestehenden WHO-Guidelines und richten sich vor allem an Entscheidungsträger. Ihre Umsetzung ist fundamental. Denn ein funktionierender Infektionsschutz ist die Voraussetzung für die Patientensicherheit weltweit, zum Beispiel vor multiresistenten Erregern.

Der neue Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, brachte es wie folgt auf den Punkt: „Starke Gesundheitssysteme sind die beste Verteidigung, damit aus Ausbrüchen keine Epidemien werden“.

Quellen European Commission (2017). A European One Health Action Plan against Antimicrobial Resistance (AMR). https://ec.europa.eu/health/amr/sites/amr/files/amr_action_plan_2017_en.pdf. Letzter Zugriff am 14.11.2017.

Allegranzi B. Global infection prevention and control priorities 2018–22: a call for action. Volume 5, No. 12, e1178–e1180, December 2017