Exoten auf dem Vormarsch

Ob Zikavirus-Infektionen oder Dengue- und Chikungunya-Fieber – seit einigen Jahren treten auch in Deutschland zunehmend Infektionskrankheiten auf, die ursprünglich ausschließlich in den Tropen zu finden waren. Mit der neu eingeführten Meldepflicht können diese Erkrankungen von nun an besser überwacht werden.

von  der HARTMANN Online Redaktion
Es wurde Anfang 2016 viel über das Zikavirus berichtet. Dabei ist das Virus nicht erst vor kurzem neu entdeckt worden, sondern wurde bereits 1947 erstmals bei einem Affen im Zikawald in Uganda, Afrika, isoliert. Infolge der stetig steigenden weltweiten Mobilität von Menschen und Gütern verbreiten sich die Erreger derzeit jedoch immer schneller. Und gelangen damit auch in unsere gemäßigten Breitengrade – und unseren Fokus. So sind in Deutschland seit Oktober 2015 über 200 Zikavirus-Infektionen bei Reiserückkehrern festgestellt worden [1].

Problemfaktor Klima

Ein weiteres Problem stellt in diesem Zusammenhang der Klimawandel dar. Sorgen doch erhöhte Temperaturen dafür, dass exotische Mückenarten, die in Deutschland bislang nicht heimisch waren, sich auch hierzulande vermehren und verbreiten können. Allen voran die asiatische Tigermücke. Ursprünglich im südostasiatischen Raum beheimatet, wurden 2007 erstmals Eier der Mücke im südlichen Baden-Württemberg entdeckt [2].

Inzwischen breitet sich die Mücke, die zu den 100 invasivsten Arten der Welt zählt, immer weiter aus. Eine heikle Entwicklung – kann doch die asiatische Tigermücke neben dem West-Nil-Virus auch das Dengue-, das Gelbfieber- und das Chinkungunya-Virus übertragen [3]. Die Folge: Mitunter schwerwiegende Infektionen.

Neue Meldepflicht für Arboviren

Um solche Erkrankungen besser überwachen zu können, wurde im Mai 2016 eine gesetzliche Meldepflicht für Arboviren eingeführt [4]. Dabei handelt es sich um Krankheitserreger, die vor allem durch Mücken und Zecken übertragen werden. Dazu gehören neben dem Zikavirus u. a. auch das Chikungunya-Virus, das Dengue-Virus sowie das West-Nil-Virus. Das Auftreten dieser Viren soll jetzt verstärkt beobachtet werden, um durch Präventionsmaßnahmen das Entstehen von Infektionsketten verhindern zu können. Erkrankte Personen sollen vor Mückenstichen geschützt und gefährliche Mückenpopulationen im Umfeld des Erkrankten bekämpft werden.
Steckbriefe importierter Infektionskrankheiten [3]
Chikungunya-Fieber
Chikungunya-VirusErreger: Chikungunya-Virus
Symptome: Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen. Auch Hautausschlag, Gastroenteritis sowie leichte Haut- und Schleimhautblutungen können auftreten, in sehr seltenen Fällen hämorrhagisches Fieber.
Infektionsweg: Das Virus wird von verschiedenen Stechmücken (z. B. Aedes-Arten) übertragen – unterschiedliche Warmblüter (z. B. Nagetiere und Primaten) stellen ein Reservoir dar.
Vorkommen: Süd- und Südostasien, Arabische Halbinsel, Inseln des Indischen Ozeans, Afrika. Zunehmend sind auch saisonale Ausbrüche in Südeuropa möglich. In Deutschland werden regelmäßig importierte Infektionen beobachtet.
Dengue-Fieber
Dengue-VirusErreger: Dengue-Virus
Symptome: Akute fieberhafte Erkrankung mit Kopf-, Gelenk- und Gliederschmerzen und gelegentlich Hautausschlag. Schwere, zum Teil tödliche Verlaufsformen mit diffusen Blutungen (hämorrhagisches Denguefieber) und Kreislaufversagen (Dengue-Schocksyndrom).
Infektionsweg: Übertragung erfolgt durch Stechmücken der Gattung Aedes. Menschen sind das wichtigste Virusreservoir.
Vorkommen: Endemische Verbreitung in mehr als 100 tropischen und subtropischen Regionen außerhalb Europas: Südostasien, Pazifik, tropisches Afrika, Mittelamerika/Karibik. Durch verstärkte Reiseaktivität kam es in den letzten Jahren in Europa und Deutschland zu einer höheren Anzahl importierter Fälle.
West-Nil-Fieber
West-Nil-VirusErreger: West-Nil-Virus
Symptome: Zumeist milder, unauffälliger Krankheitsverlauf. Immungeschwächte Patienten und ältere Menschen entwickeln schwere Krankheitsbilder. Als neurologische Komplikationen können Hirnhautentzündung, Entzündung des Gehirns oder Meningoenzephalitis (kombinierte Entzündung) auftreten.
Infektionsweg: Hauptsächlich durch verschiedene Stechmücken (vor allem Culex-, aber auch Aedes- und Mansonia-Arten). Hauptreservoir bilden wild lebende Vögel.
Vorkommen: In verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommende Zoonose, von der alle Erdteile in unterschiedlichem Maß betroffen sind. Verbreitet ist das Virus in Afrika, Israel, der Westtürkei, dem Mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens sowie in Nordamerika und Teilen Mittelamerikas.
Zikavirus-Infektionen
Zika-VirusErreger: Zikavirus
Symptome: Zumeist milder Krankheitsverlauf. Am häufigsten sind Hautausschlag, Kopf-, Gelenk- und Muskelschmerzen, Bindehautentzündung und Fieber. In seltenen Fällen können Komplikationen mit neurologischen Symptomen oder Autoimmunreaktionen auftreten. Das Virus kann pränatale Fehlbildungen des Schädels, des Gehirns und der Gelenke hervorrufen.
Infektionsweg: Übertragung erfolgt hauptsächlich über infizierte Stechmücken der Gattung Aedes; das Virus kann aber auch sexuell übertragen werden.
Vorkommen: Verbreitung in mehr als 40 Ländern in Mittel- und Südamerika; auch in Süd-Florida (USA) wurden erste Fälle registriert. Infektionen kommen auch im tropischen Afrika, Asien und auf den Inseln des Pazifischen Ozeans vor. In Deutschland sind Fälle durch Reiserückkehrer bekannt.

Quellen: 1. Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ): Zikavirus-Infektionen. Was ist das Zikavirus? www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Zikavirus/Zikavirus-Infektionen.html. Abgerufen am 09.05.2017. 2. Kuhn, C. Die Asiatische Tigermücke in Deutschland: Gesundheitliche Bedeutung und Handlungsbedarf. Umweltbundesamt, Fachgebiet IV 1.4 Gesundheitsschädlinge und ihre Bekämpfung. 25.04.2016. http://www.bfr.bund.de/cm/343/die-asiatische-tigermuecke-in-deutschland-gesundheitliche-bedeutung-und-handlungsbedarf.pdf abgerufen am 13.10.2016. 3. Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten. Robert Koch-Institut. Berlin 2011. 4. Neue Meldepflichtverordnung stärkt Infektionsschutz, Bundesministerium für Gesundheit, Meldungen, 18.03.2016. http://www.bmg.bund.de/ministerium/meldungen/2016/meldeplicht-vo-infektionsschutzg.html abgerufen am 13.10.2016.