Noroviren eindämmen:
konsequent Hygiene einhalten

Noroviren sind hochansteckend, verbreiten sich vor allem in den Wintermonaten und verursachen schwere Magen-Darm-Entzündungen. Der Schlüssel zur Vorbeugung und Eindämmung der widerstandsfähigen Erreger liegt in der konsequenten Einhaltung effizienter Hygienemaßnahmen.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Noroviren lösen akute Entzündungen des Magen-Darm-Traktes aus und sind weltweit verbreitet. In Deutschland zählen sie zu den häufigsten Verursachern meldepflichtiger infektiöser Gastroenteritiden. Ein saisonaler Schwerpunkt liegt in den Wintermonaten zwischen November und April. Es können aber auch im Sommer Norovirus-Infektionen und -Ausbrüche auftreten. Zur Vorbeugung und Eindämmung von Noroviren sind bestimmte Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Händehygiene.

Ansteckung & Verbreitung

Noroviren sind hoch infektiös: Für eine Ansteckung reichen 10 bis 100 Viruspartikel aus. Die Erreger sind nach Erkrankungsausbruch sowohl in Erbrochenem als auch im Stuhl in sehr hoher Zahl nachzuweisen. Dabei enthält ein Gramm Patientenstuhl bis zu zehn Millionen Viruspartikel.

Noroviren werden über den Stuhl und Erbrochenes ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral (Schmierinfektion) über direkten (Hände) oder indirekten Kontakt (Handkontakt mit kontaminierten Oberflächen). Das Virus ist zudem durch virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen übertragbar oder auch durch kontaminierte Speisen und Getränke (z. B. durch Meeresfrüchte aus Küstenregionen mit ungeklärtem Abwasser oder verunreinigtes Trinkwasser).

Erkrankungen treten in jeder Altersstufe auf. Bis zu 50 Prozent aller viralen Gastroenteritiden bei Erwachsenen, 30 Prozent bei größeren Kindern und 20 Prozent bei Säuglingen und Kleinkindern gehen auf das Konto von Noroviren. Ausbrüche treten vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern, aber auch in Ferienheimen, auf Kreuzfahrtschiffen sowie in Militäreinrichtungen auf. Dabei erkrankt innerhalb kürzester Zeit oftmals ein hoher Prozentsatz der jeweiligen Einrichtung.

Symptome & Verlauf

Symptome einer akuten Noro­virus-Gastroenteritis sind Erbrechen und starker Durchfall, häufig begleitet von Übelkeit, Ermattung, Magen- und Kopfschmerzen sowie erhöhter Körpertemperatur.
Zwischen 6 und 50 Stunden vergehen zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung. Die höchste Ansteckungsgefahr besteht während der akuten symptomatischen Beschwerden, die in der Regel zwischen 12 und 48 Stunden andauern. Jedoch kann das Virus bis zu zwei Wochen nach Abklingen der Symptome über den Stuhl ausgeschieden werden – mitunter sogar noch wesentlich länger.

Diagnostik & Therapie

Da es einige andere Krankheiten gibt, deren Symptome denen einer Norovirus-Infektion ähneln, ist eine sichere Diagnose nur durch den Nachweis des Erregers möglich. Dazu wird eine Stuhlprobe oder Erbrochenes labortechnisch untersucht. Beispielsweise können Partikel der Noroviren mithilfe eines Elektronenmikroskopes sichtbar gemacht werden.

Die Therapie erfolgt rein symptomatisch, hauptsächlich durch Ausgleich des erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes. Eine kausale (ursächliche) antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung.

Was ist zu tun im Ausbruchsfall?

Noroviren sind gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) bei Nachweis im Stuhl oder sonstigem Untersuchungsmaterial gegenüber dem Gesundheitsamt meldepflichtig. Ebenso besteht Meldepflicht bei Verdacht oder Erkrankung an einer akuten Gastroenteritis, wenn mindestens zwei zusammenhängende Fälle auftreten oder wenn die betroffene Person Umgang mit Lebensmitteln hat oder in einer Gemeinschaftsverpflegungseinrichtung wie z. B. einer Küche tätig ist.

Das RKI und die AWMF geben für das Hygiene­management bei Noroviren-Ausbrüchen detaillierte Empfehlungen. Wichtige Maßnahmen sind:

Abklärung

  • Bei Gastroenteritiden: Parallel zu bakteriologischen Untersuchungen gezielte Diagnostik (Untersuchung von Stuhlproben in speziellen Laboratorien)
  • Meldung beim Gesundheitsamt
  • Ursachenforschung

Organisatorische Maßnahmen

  • Isolation des / der Erkrankten (eigenes WC, ggf. Kohortenisolierung), Aufhebung der Isolierung frühestens zwei Tage nach Ende der klinischen Erscheinungen
  • Minimieren von Patienten-, Bewohner- und Personalbewegungen (Bereichspflege) generell und besonders zwischen den Stationen
  • Freistellen erkrankten Personals von der Arbeit auch bei geringer klinischer Symptomatik bis mind. zwei Tage nach Ende der klinischen Erscheinungen
  • Nach Wiederaufnahme der Arbeit besondere Sorgfalt bei der persönlichen Händehygiene ­(längere Virusausscheidung möglich)
  • Gründliche Schulung des Personals zum notwendigen Hygienemanagement
  • Unterweisung von Patient / Kontaktperson hinsichtlich korrekter Händedesinfektion mit einem Hände-Desinfektionsmittel
  • Aufklärung von Kontaktpersonen hinsichtlich Infektionsrisiken (z. B. face-to-face-Übertragung)

Hygienische Maßnahmen

Personal

  • Pflege und Betreuung des / der Patienten mit Einweghandschuhen, Schutzkittel und ggf. Mund-Nasen-Schutz (Übertragungsrisiko durch Erbrochenes)
  • Nach Kontamination, z. B. durch Erbrochenes, Fläche sofort nach Anlegen des Mund- und Nasenschutzes desinfizierend reinigen
  • Konsequente Händedesinfektion mit einem Hände-Desinfektionsmittel: Anwendung nach Patientenkontakt, nach Ablegen der Einweghandschuhe vor Verlassen des Zimmers und gemäß der „Fünf Momente“.

Patient

  • Korrekte Durchführung der Händedesinfektion mit einem Hände-Desinfektionsmittel (vor Verlassen des Zimmers, nach dem Toilettengang usw.)
  • Weiterführung der Händehygiene noch mindestens eine Woche nach Ende der klinischen Erscheinungen

Flächendesinfektion

  • Tägliche Desinfektion aller patientennahen Kontaktflächen inkl. Türgriffe.

Wäschedesinfektion

  • Bett- und Leibwäsche als infektiöse Wäsche in einem geschlossenen Wäschesack transportieren
  • Mit einem chemo-thermischen Waschverfahren > 60 °C reinigen

Händedesinfektion bei Noroviren

Bei der Inaktivierung von Noroviren steht die hygienische Händedesinfektion im Fokus, die nach den „Fünf Momenten“ der WHO erfolgen sollte. Zwingend ist eine Händedesinfektion bei Noroviren z. B. in folgenden Situationen: nach Patientenkontakt, nach Ablegen der Einmalhandschuhe und vor Verlassen des Zimmers. Voraussetzung für die Einhaltung der Händedesinfektion ist eine ausreichende Zahl von gut platzierten Spendern.

Notwendiges Wirkungsspektrum für Inaktivierung von Noroviren

Beim Auftreten von Norovirus-Infektionen oder -Ausbrüchen sind gemäß RKI für die hygienische Händedesinfektion Produkte mit dem Wirkungsspektrum begrenzt viruzid PLUS oder viruzid zu verwenden [1,2]. Zusätzlich zu allen behüllten Viren inaktivieren Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsspektrum „begrenzt viruzid PLUS“ auch die besonders häufig für Ausbrüche verantwortlichen unbehüllten Adeno-, Noro- und Rotaviren, sodass ganzjährig dasselbe Desinfektionsmittel eingesetzt werden kann. Eine Umstellung auf andere Produkte aufgrund saisonaler Unterschiede im Vorkommen dieser Erreger kann entfallen [3]. Bei hartnäckigen Ausbruchsgeschehen sollte jedoch ggf. auf ein viruzid wirksames Mittel umgestellt werden. Mehr dazu www.bode-science-center.de

Literatur 1 Empfehlung der KRINKO beim RKI (2016) Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl. 2016, 59:1189-1220 2 Schwebke, I. et al., Prüfung und Deklaration der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Viren zur Anwendung im human-medizinischen Bereich. Bundesgesundheitsbl 2017, 60:1189-1220. 3 Eggers H., Mitteilung der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH: Neuer Wirkungsbereich begrenz PLUS – was ist das? HygMed 2016, 41-12