Aktiv mitwirken bei der Händehygiene:

Patienten an die Macht

Bei der Händehygiene stand bislang immer das pflegerische und medizinische Personal im Fokus. Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Studien und Empfehlungen, die dazu raten, Patienten mit einem gezielten Patienten-Empowerment bei der Händehygiene einzubeziehen.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Was bedeutet Patienten-Empowerment?

Das Patienten-Empowerment zielt darauf ab, die Stellung von Patienten zu verbessern. Durch bestimmte Maßnahmen, wie z. B. aufklärende Informationen, sollen sie dazu befähigt werden, aktiv bei Therapieentscheidungen mitzuwirken. Bekannt ist dieses Konzept vor allem aus der Behandlung von Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen.

Inzwischen rückt das Einbeziehen der Patienten aber auch bei der Händehygiene immer stärker in den Blick. Das kann zweierlei bedeuten: Patienten beeinflussen zum einen das Händehygiene-Verhalten des Gesundheitspersonals, indem sie z. B. nachfragen: „Haben Sie sich die Hände desinfiziert?“ Und zum anderen können auch die Patienten selbst zu einer besseren Händehygiene angeregt werden [1]. Tatsächlich empfiehlt die WHO bereits seit 2009 die Implementierung von Programmen zum Patienten-Empowerment in evidenzbasierte, multimodale Händehygiene-Strategien [2].

Was sind die Voraussetzungen?

Arzt und Patient begrüßen sich

Damit die Beteiligung der Patienten erfolgreich gelingt, sollten laut WHO vier grundlegende Komponenten erfüllt sein [2]:

  1. Patientenpartizipation
    Der Patient versteht den Konzeptansatz und ist bereit, sich an seinem Heilungsprozess aktiv zu beteiligen. Dieser Faktor hängt vom Alter, der Kultur, dem Hintergrund, der Persönlichkeit sowie dem Bildungsgrad des Patienten ab.
  2. Patientenwissen
    Der Patient erhält ausreichende Informationen und versteht, wie die Informationen einzusetzen sind.
  3. Fähigkeiten des Patienten
    Der Patient ist davon überzeugt, mithilfe seiner eigenen Fähigkeiten eine Wirkung zu erzielen. Dieses Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit ermutigt den Patienten dazu, auf seine Behandlung wie auch auf die Händehygiene Einfluss zu nehmen.
  4. Unterstützende Umgebung
    Es gilt, eine Umgebung zu erschaffen, die eine Partizipation des Patienten unterstützt und eine offene Kommunikation ermöglicht.

Welche Methoden des Patienten-Empowerment gibt es?

Eine Übersichtsarbeit von McGuckin und Govedink aus dem Jahr 2013 zeigt zentrale Methoden des Patient-Empowerment bei der Händehygiene auf [3]:

  1. Patientenaufklärung
    Patienten werden durch gedruckte, mündliche oder audiovisuelle Erklärungen über die Händehygiene informiert. Außerdem hilfreich: Internetquellen, wie z. B. Homepages von Krankenhäusern oder Behörden.
  2. Motivierende Erinnerungen
    Ansteck-Buttons, Aufkleber und Poster erinnern die Mitarbeiter und Patienten an die Händehygiene. Außerdem ist es wichtig, Patienten zu ermutigen, die Mitarbeiter auf die Händehygiene anzusprechen.
  3. Vorbildfunktion
    Vorgesetzte, Kollegen und Patienten beeinflussen sich gegenseitig in ihrem Händehygiene-Verhalten.
  4. Patient als Beobachter
    Patienten beobachten das Händehygiene-Verhalten des medizinischen Personals als Teil eines multimodalen Ansatzes.

Was sind die Barrieren?

Sowohl bei den Patienten als auch auf Seiten des Personals können verschiedene Barrieren bestehen, die das Patient-Empowerment in der Händehygiene erschweren [4].

Mögliche Barrieren beim Patienten:
•    Mitwirkung bei der Händehygiene nicht als eigene Aufgabe ansehen
•    Furcht vor Repressalien im weiteren Behandlungsverlauf
•    Gefühl von Peinlichkeit
•    Uneingeschränktes Vertrauen in das Verhalten des Gesundheitspersonals etc.

Mögliche Barrieren beim Personal:
•    Zusätzlicher zeitlicher Aufwand für die Aufklärung der Patienten
•    Wunsch, die Kontrolle in der Behandlungssituation zu behalten
•    Fachrichtung
•    Ungenügende Schulung im Patienten-Empowerment etc.

Welche Chancen bietet das Patienten-Empowerment bei der Händehygiene?

Studien bestätigen, dass das Patient-Empowerment als Bestandteil eines multimodalen Programmes dazu beitragen kann, die Händehygiene-Compliance verbessern [3]. Patienten, Besucher und Personal erfahren damit einen besseren Schutz vor Infektionen. Damit jedoch alle Beteiligten von dem positiven Effekt profitieren können, ist es entscheidend, dass die Patienten vom Personal zur Partizipation ermutigt werden [5].

Quellen: 1. Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin, 4. Mai 2017/ Nr. 18/19. 2. WHO Guidelines on Hand Hygiene in Health Care. 2009. 3. McGuckin M, Govednik J. Patient empowerment and hand hygiene, 1997-2012. J Hosp Infect. 2013 Jul;84(3):191-9. 4. Reichardt C, Gastmeier P., Patient Empowerment, Wie viel können Patienten zu einer verbesserten Compliance des Personals beitragen? Krankenhaushygiene up2date | 2013. 5. Davis et al. Systematic review of the effectiveness of strategies to encourage patients to remind healthcare professionals about their hand hygiene. J Hosp Infect. 2015 Mar;89(3):141-62.