Desinfektion & Hygiene

Von Hand zu Hand

Von welchen Flächen geht in Patientenzimmern eine besondere Gefahr für die Übertragung von Erregern aus? Diese Frage stand im Fokus der Beobachtungsstudie von Cheng et al. [1]. Dazu untersuchten die Wissenschaftler, wie häufig Personal, Patienten und Besucher Gegenstände mit den Händen anfassten. Ihre Ergebnisse sind aufschlussreich für die Hygienepraxis.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Krankenschwester am Bett einer Patientin
Sie sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Und doch sind sie da – Viren, Bakterien & Co. Weil sie nicht ohne Hilfsmittel wahrzunehmen sind, wird das von ihnen ausgehende Risiko in bestimmten Situationen unterschätzt. Auch in Gesundheitseinrichtungen. So mögen Nachttische, Schränke und Bettgestelle sauber aussehen, und doch können sich auf ihren Oberflächen Keime tummeln. Ein häufiger Grund dafür: Sichtbare Verschmutzungen werden zwar entfernt, die Flächen aber nicht regelmäßig desinfiziert. Fassen Patienten oder Mitarbeiter diese Flächen an, können die Keime auf die Hände gelangen und in der Einrichtung verbreitet werden. Mit ernsthaften Folgen. Sind doch infektiöse Erreger, darunter VRE, Acinetobacter baumannii, Enterobakterien und MRSA, die bis zu mehreren Monaten auf Oberflächen überleben können, vielfach Verursacher von Ausbrüchen.

Handkontakte detailliert erfasst

Cheng et al. nahmen dies zum Anlass zu untersuchen, von welchen Flächen im Krankenhaus ein besonderes Risiko für die Erregerübertragung ausgeht. Dazu führten die Wissenschaftler eine Beobachtungsstudie auf drei Krankenhausstationen mit je 30 Betten durch. Zwei Hygienefachkräfte beobachteten über einen Zeitraum von 33 Tagen jeweils eine Stunde pro Arbeitstag, welche Oberflächen in einem 6-Bett-Patientenzimmer wie oft von Mitarbeitern, Patienten und Besuchern berührt wurden. Anschließend bestimmten die Forscher jene zehn Gegenstände, die am häufigsten angefasst worden waren. Zusätzlich identifizierten sie auch die Flächen, die abwechselnd mit den Händen aller Gruppen in Kontakt kamen.

Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Konnten doch die beiden Beobachter eine Anzahl von insgesamt 6.144 Handkontakten zu Flächen festhalten. Pro Stunde zählten sie durchschnittlich rund 93 Handkontakt-Episoden mit unterschiedlichen Flächen. Dabei entfielen allein auf die in den Stationen tätigen Pflege- und Hilfskräfte fast 73 % der Kontakte. Die Ärzte kamen auf ca. 11 % der Handkontakte. Und für die Patienten und Besucher wurden zusammen rund 10 % Kontakt-Episoden vermerkt.

Am häufigsten berührt wurden mit 899 Handkontakten die Handleisten der Bettseitengitter. Gefolgt von den Patienten-Nachttischen mit 812 Kontakten. Zu den weiteren zehn am meisten angefassten Flächen gehörten außerdem Patientenkörper, Patientenakten, Bettwäsche und Vorhänge sowie Bettgestelle, Schränke, Blutdruckmanschetten und Spritzen (siehe Übersicht). Von diesen zehn Flächen wurden wiederum acht wechselseitig von Patienten, Mitarbeitern und Personal mit Händen berührt.

Hygienerisiken gezielt ausschalten

Die Autoren folgern daraus, dass von den oft wechselseitig berührten Flächen ein besonders hohes Risiko der Übertragung nosokomialer Erreger ausgeht. Sie empfehlen daher, die häufig angefassten Gegenstände bzw. Flächen konsequent bei der Flächendesinfektion zu berücksichtigen.

Zusätzlich raten die Experten, die Händedesinfektion nach Kontakt mit patientennahen Flächen stärker in Händehygiene-Schulungen einzubeziehen. Auch die Patienten und Besucher sollten laut Cheng et al. in Händehygiene-Kampagnen eingebunden werden. So sei es wichtig, die Patienten z. B. vor der Medikamenten-Einnahme oder vor Mahlzeiten am Bett auf die Händehygiene aufmerksam zu machen.

Und das Fazit? Die Empfehlungen der Autoren zeigen einmal mehr, dass möglichen Hygienerisiken am besten vorzubeugen ist, indem sie auf mehreren Ebenen gleichzeitig angegangen werden.

Patient in Krankenbett

Diese zehn Flächen werden am häufigsten von Personal, Patienten und Besuchern berührt:

1. Handleiste der Bettseitengitter (899 Kontakte)

2. Nachttische (812 Kontakte)

3. Patientenkörper (623 Kontakte)

4. Patientenakten (617 Kontakte)

5. Bettwäsche (402 Kontakte)

6. Vorhänge (287 Kontakte)

7. Bettgestelle (238 Kontakte)

8. Schränke (94 Kontakte)

9. Blutdruckmanschetten (89 Kontakte)

10. Spritzen (82 Kontakte)

Quelle: 1. Cheng et al. Hand-touch contact assessment of high-touch and mutual-touch surfaces among healthcare workers, patients, and visitors. J Hosp Infect. 2015, 90:220-225.