Schutzausrüstung anziehen
Desinfektion & Hygiene

Üben, üben, üben

Der fehlerfreie Umgang mit der Schutzausrüstung ist elementar für den Personalschutz in Gesundheitseinrichtungen. Doch vor allem das Ausziehen bereitet vielen Mitarbeitern große Probleme, wie eine amerikanische Studie zeigt [1]. Abhilfe schaffen regelmäßige und gründliche Schulungen.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Ob Schutzkittel, Einmalhandschuhe, Atemschutz oder Schutzbrille − die persönliche Schutzausrüstung (PSA) bildet einen zentralen Baustein für den Arbeitsschutz in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Dabei dient die PSA hauptsächlich dazu, Mitarbeiter vor direktem Kontakt mit potenziellen Erregern zu schützen. Um die Sicherheit des Personals im Umgang mit der Schutz-ausrüstung zu prüfen, führten Tomas et al. 2015 eine Studie in vier amerikanischen Kliniken durch.

Große Schwächen in der Praxis

Hierzu verteilten die Testpersonen zunächst eine Fluoreszenzlösung auf Handschuhen und Schutzanzügen. Danach prüften die Autoren anhand des Protokolls der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), ob und welche Fehler die Studienteilnehmer beim An- und Ablegen der Schutzkleidung machten.

Die Ergebnisse waren ernüchternd. So fanden sich nach dem Ablegen der Handschuhe bei rund 53 % der Teilnehmer fluoreszierende Spuren am Körper. Nach dem Ausziehen des Schutzanzugs leuchtete bei rund 38 % der Probanden das Testmittel am Körper auf. Zurückzuführen waren die Kontaminationen vor allem auf folgende Fehler: In 113 Fällen bedeckten die Handschuhe nicht das Handgelenk, 44-mal wurde der Schutzanzug über den Kopf abgezogen und in 31 Fällen berührten die Probanden die kontaminierte Außenseite der Handschuhe beim Ausziehen. Passieren solche Fehler in der Praxis, wird die Schutzausrüstung zur Gefahrenquelle für die Mitarbeiter. Zusätzlich besteht das Risiko, die Erreger in der Umgebung weiterzuverbreiten.

Intensive und praxisnahe Schulungen

Doch was tun, damit es nicht so weit kommt? Die Antwort liefert die Studie von Tomas et al. gleich mit: Die Mitarbeiter sollten intensiv im An- und Ausziehen der Schutzausrüstung geschult werden. Tatsächlich gingen die Kontaminationen nach intensiven Trainings zum richtigen Ablegen der PSA laut Studie von 60 auf 19 % zurück. Als sehr hilfreich bewerteten die Autoren den Einsatz von fluoreszierenden Lösungen zu Schulungs-zwecken. Diese ermöglichten ein unmittelbares Feedback und machten die Risiken der Kontamination deutlich sichtbar. Erfahrungen aus der Praxis zeigen außerdem: Mitarbeiter profitieren besonders von Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die das richtige An- und Ausziehen der Schutzausrüstung detailliert erklären.

Schutzausrüstung richtig ausziehen − Schritt für Schritt

Für den Schutz der Mitarbeiter vor Kontaminationen ist es entscheidend, die Schutzkleidung in der richtigen Reihenfolge auszuziehen. Die CDC hat hierzu eine Anleitung erstellt, die einer Verunreinigung mit potenziell infektiösen Materialien vorbeugen soll [2].
Handschuhe richtig ausziehen
1. Handschuhe ausziehen

Da die Außenseiten der Handschuhe in der Regel am stärksten kontaminiert sind, sollten die Handschuhe zuerst ausgezogen werden. Nach dem Ablegen sind die Handschuhe umgehend im geschlossenen Abfallbehälter zu entsorgen.
Schutzbrille ablegen
2. Schutzbrille absetzen

Die Brille an beiden Bügeln anfassen und nach vorne wegziehen. Anschließend die Schutzbrille in einem Kunststoffbehälter ablegen und patientenbezogen verwenden
Schutzkittel ausziehen
3. Schutzkittel ablegen

Zuerst die Arme aus dem Kittel ziehen. Danach den Schutzkittel mit der kontaminierten Seite nach innen falten bzw. zusammenrollen und abwerfen. Den Einmalschutzkittel dem Abfall zuführen.
Händedesinfektion mit Sterillium
4. Hygienische Händedesinfektion durchführen

Nach dem Ausziehen des Kittels besteht die Gefahr einer Kontamination der Hände. Daher sollte risikoabhängig entweder mit einem begrenzt viruziden oder einem viruziden Präparat eine hygienische Händedesinfektion vorgenommen werden.
Atemschutz ablegen
5. Atemschutz ablegen

Den Atemschutz vorsichtig abnehmen und sofort im geschlossenen Abfallbehälter entsorgen.

Händedesinfektion mit Sterillium
6. Hygienische Händedesinfektion durchführen

Abschließend sind die Hände mit einer Einwirkzeit von 30 Sekunden zu desinfizieren. Risikoabhängig ist ein begrenzt viruzides oder ein viruzides Hände-Desinfektionsmittel einzusetzen.

Falls zwischen den einzelnen Schritten die Gefahr einer Händekonta-mination bestanden hat, sollten noch zusätzliche Händedesinfektionen durchgeführt werden.

Quellen: 1. Tomas et al. Contamination of Health Care Personnel During Removal of Personal Protective Equipment. JAMA Intern Med. Published online October 12, 2015. 2. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Posters: Sequence for Donning and Removing Personal Protective Equipment. www.cdc.gov/hai/pdfs/ppe/PPE-Sequence.pdf. Abgerufen am 08.09.2016.