Inkontinenzversorgung

Folgeproblem Hautschäden:
Mit aktivem Hautschutz vorbeugen

Unter den äußeren Einflüssen, die zu Schäden der Altershaut führen können, ist Inkontinenz ein besonders schwerwiegender Risikofaktor, der sogar die Entstehung eines Dekubitus begünstigt. Möglichen Folgeschäden kann nur durch eine sorgfältige Hautpflege sowie eine optimale Inkontinenzversorgung vorgebeugt werden.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Wo eine Inkontinenzversorgung notwendig ist, sind Hautprobleme nicht weit. Experten in Forschung und Praxis sehen darin heute die wichtigste Langzeitkomplikation bei inkontinenten Personen. Verschiedene Studien haben bei 42,5 % aller Betroffenen irritative Hautveränderungen wie Rötungen, allergisch bedingte Reizungen oder auch die Inkontinenz assoziierte Dermatitis, umgangssprachlich auch Windeldermatitis genannt, nachgewiesen [1]. In 6,9 % der Fälle mussten die Betroffenen sogar ärztlich behandelt werden [2].

Wie aber kommt es zu inkontinenzbedingten Hautschädigungen und wie kann ihnen wirksam vorgebeugt werden?

Die Epidermis ist ein raffinierter Schutzwall

Die Epidermis – also die uns sichtbare Haut – stellt ein verhornendes Plattenepithel aus fünf verschiedenen Zelllagen dar, das durch seine Festigkeit und Dichtigkeit bestens für Schutzaufgaben gerüstet ist. Die Zellteilung als Voraussetzung für Wachstum und Regeneration erfolgt dabei in den beiden untersten Zelllagen, in der Keimschicht (Stratum basale) und Stachelzellschicht (Stratum spinosum). Von dort aus schieben sich die Zelllagen zur Hautoberfläche vor, wobei es im Verlauf dieser Zellwanderung zur vollständigen Verhornung (Keratinisierung) der Zellen kommt. In der Glanzschicht (Stratum lucidum) wird das Eleidin gebildet, eine fett- und eiweißreiche Substanz mit stark lichtbrechenden Eigenschaften, die zugleich die Epidermis vor der Einwirkung wässriger Lösungen schützt.

In der obersten Schicht, der Hornschicht (Stratum corneum), ist der Vorgang der Verhornung abgeschlossen, die Zellen, sog.  Korneozyten, sind mit Keratin angefüllt. Keratine sind unlösliche, nur schwer abbaubare Strukturproteine mit hoher Temperatur- und pH-Resistenz.

Die Hornschicht umfasst etwa 15 bis 20 Zelllagen. Um ihre Schutzaufgaben in der äußersten Abwehrfront wahrnehmen zu können, sind die Korneozyten dachziegelartig übereinander geschichtet und durch eine Kittsubstanz aus epidermalen Fetten („Barrierelipide“) und feinsten Fasern (Tonofibrillen) fest, nahezu undurchdringlich miteinander verbunden.

Zusammen mit den Sekreten der Schweiß- und Talgdrüsen ist die Hornschicht aber auch am Aufbau des Oberflächenfilms (Hydrolipidfilm) beteiligt, der auch als Säureschutzmantel bezeichnet wird. Mit seinem schwach sauren pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5 trägt er u. a. dazu bei, die Besiedelung der Haut durch Mikroorganismen in einem physiologischen Gleichgewicht zu halten und die Haut wie ein „Mantel“ vor Krankheitserregern zu schützen.

Das bringt die Haut aus dem Gleichgewicht

Experten, die sich mit Inkontinenz befassen, haben fünf Risikofaktoren ausfindig gemacht, die allein oder im Zusammenwirken die Gesundheit der Haut erheblich beeinträchtigen können.

Das Aufquellen der Hornschicht: Wenn die Haut über längere Zeit Flüssigkeiten oder Feuchtigkeit ausgesetzt ist, quillt sie auf und lockert ihre Struktur. Dadurch neigt sie dazu, Wasser zu verlieren und auszutrocknen. Gleichzeitig reduziert ein feuchtes Milieu den Säuregehalt der Haut und beeinträchtigt so deren Barrierefunktion gegenüber Mikroorganismen.

Die Bildung von aggressivem Ammoniak: Im Urin enthaltene Bakterien und deren Enzyme (Ureasen) können aus Harnstoff stark alkalischem Ammoniak bilden, das den pH-Wert erhöht und damit den Säureschutzmantel der Haut zerstört.

Die Restaktivität von Verdauungsenzymen: Im Stuhl enthaltene Reste von Verdauungsenzymen – im Darm zuständig für die Aufspaltung von Eiweißen, Kohlehydraten und Fetten – greifen die Bestandteile der Haut direkt an, vor allem bei Diarrhö.

Das chemische Trauma der Hautreinigung: Beim Waschen wird der Säureschutzmantel der Haut regelmäßig weggewaschen. Gleichzeitig wird die Haut entfettet und in ihrer Barrierefunktion geschwächt, beides um so mehr, wenn alkalische Seifen verwendet und nicht vollständig abgewaschen werden.

Das Auftreten allergisch bedingter Hautirritationen: Ältere Haut kann besonders sensibel auf Irritationen reagieren. Bei Inkontinenzprodukten, die meist 24 Stunden täglich getragen werden, können daher schon leichte Unverträglichkeiten zu entzündlichen Reaktionen führen.

Nur gut versorgte Haut trotzt Inkontinenz

Aus dermatologischer Sicht sind dabei zwei Zielsetzungen besonders wichtig: die gründliche, aber schonende Reinigung der Haut sowie der anschließende Aufbau eines wirksamen Hautschutzes.

Reinigung: Die Reinigung der Haut von Urin bzw. Stuhlrückständen erfolgt üblicherweise mit Wasser und Seife. Hierbei ist zu beachten, dass bereits der alleinige Kontakt mit Wasser Auswirkungen auf den Säureschutzmantel hat. Dies gilt erst recht für den Gebrauch von Seife, weshalb diese durch Syndets oder geeignete pH-neutrale Waschlotionen zu ersetzen ist. Eine schonende Alternative – vor allem bei Stuhlinkontinenz – ist der Gebrauch von Reinigungsschäumen bzw. Feuchtpflegetüchern. Zu vermeiden ist auch heißes Wasser, das mehr entfettet als kühleres.

Hautschutz aufbauen: Mit guter Hautpflege soll ein umfassender Hautschutz erreicht werden. Hierzu gehört, durch den Ersatz oder die Ergänzung des Säureschutzmantels die Wasserbindungskapazität der Haut zu erhalten bzw. zu verbessern und die Haut zusätzlich mit einem Schutzfilm zu versehen, der vor aggressiven Zersetzungsprodukten von Urin und Stuhl schützt.

Inkontinenzassoziierte Dermatitis (IAD)

Bei der IAD handelt es sich um eine Entzündung der Haut, lokalisiert in der perinealen Region (Bereich des Beckenausgangs, Genitalorgane, Damm, After), die durch wiederholten Kontakt mit Feuchtigkeit und / oder den aggressiven Zersetzungprodukten von Stuhl und Urin hervorgerufen wird. Eine beginnende IAD zeigt sich als Rötung und geht bei Nichteinschreiten in eine ausgeprägte schmerzhafte Entzündungsreaktion der Haut mit Bläschenbildung, Nässen und Krustenbildung über.

  • Unterscheidungsmerkmale zu einem Dekubitus Grad 1: Bei einer IAD ist die Hautrötung diffus, in ihren Rändern nicht begrenzt [Bild links] und lässt sich für gewöhnlich wegdrücken. Bei einem Dekubitus Grad I ist die Hautrötung flächig, scharf begrenzt [Bild rechts] und nicht mehr wegdrückbar.
  • Bei IAD wirksamen Hautschutz aufbauen: Die geschädigte Haut schonend mit pH-neutralen Waschlotionen reinigen (ggf. ohne Wasser mit Reinigungsschaum oder alkoholfreien Feuchttüchern), danach Haut sorgfältig – ohne Rubbeln – abtrocknen und Hautschutzprodukte mit Barrierefunktion auftragen. Wichtig ist auch die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Inkontinenzprodukten mit aktivem Hautschutz.
IAD
Dekubitus

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So schützen Inkontinenzprodukte von HARTMANN:

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Die Creme mit dem hochwertigen Nutriskin Protection Complex – frei von Parabenen und ohne Zinkoxid – bildet einen transparenten Schutzfilm und schützt so die Haut im Intimbereich vor den aggressiven Substanzen von Urin und Stuhl. Die Creme lässt die Haut atmen und ermöglicht jederzeit eine sichere Hautinspektion.

Wichtig: die Transparente Hautschutzcreme schränkt die Saugleistung von Inkontinenzprodukten nicht ein!

Quellen 1) Junkin et al., Wound Ostomy Continence Nurs. (2007) 34:260-9; 2) Bliss et al., Nurs. Res. (2006) 55:243-51