NPWT-Anwendung bei
verzögerter Wundheilung

Die Stimulierung der Wundheilungsprozesse mithilfe der Negative Pressure Wound Therapy (NPWT) ist insbesondere bei Wundheilungsstörungen eine wichtige Behandlungsoption, wie diese Kasuistik zeigt.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Bei einer 86-jährigen Frau kam es nach einer Hämatomentfernung am rechten Ellbogen zur gestörten Wundheilung. Für ihr Alter befand sich die Patientin in einem guten gesundheitlichen Allgemeinzustand ohne Begleiterkrankungen.

Wundanamnese

Gestörter Wundheilungsprozess 11 Tage nach der stationären Entfernung eines Hämatoms am rechten Ellbogen. Am Tag 8 der NPWT-Behandlung war die Wunde 8 cm x 5 cm x 2 cm groß und wies auf der 8-Uhr-Position eine 2 cm tiefe Höhle auf.

Das Wundbett zeigte eine beginnende Granulation und die Sehne lag frei. Darüber hinaus waren fibrinöse Beläge und nekrotische Inseln vorhanden und die Wunde wies zunehmenden Wundgeruch auf. Die Wundränder waren entzündlich gerötet und ödematös aufgequollen. Die umgebende Haut war altersgemäß sehr dünn und empfindlich. Die Exsudation war mit ungefähr 50 ml pro Tag mäßig.

Ziel der Behandlung

Die Unterdruckwundtherapie erfolgte mit dem Vivano-System. Ziel war, durch den Unterdruck die Bildung von Granulationsgewebe zu stimulieren, um die freiliegende Sehne zu decken sowie den Defekt auf Hautniveau aufzufüllen, um eine Spontan­epithelisierung zu erreichen.

Wundbehandlung

Von Tag 4 bis Tag 12 nach der Hämatomentfernung wurde die Patientin stationär mit kontinuierlicher NPWT mit einem Unterdruck von -100 mmHg behandelt. Am Tag 12 [Abb. 1] wies die Wunde eine Größe von 8 cm x 5 cm x 2 cm auf. Im Wundbett befanden sich noch einige Nekrosen, Fibrin und Granulationsgewebe, die Wundränder waren gerötet und ödematös. Die Wunde wurde debridiert und die Patientin wurde zur NPWT-Weiterbehandlung in die Ambulanz überwiesen.

Am Tag 19 [Abb. 2] hatte sich bereits reichlich Granulationsgewebe gebildet, die Sehne war gedeckt. Zum Schutz des Granulationsgewebes wurde VivanoMed silicone layer in die Wunde eingesetzt. Am Tag 22 hatte sich die Wunde verkleinert und wies nun eine Größe von 6,5 cm x 4,5 cm x 0,3 cm mit einer verringerten Höhlentiefe von 0,5 cm auf. Die Wundränder waren glatt. Gut entwickeltes Granulationsgewebe war vorhanden.

Am Tag 33 [Abb. 3] hatte sich die Wunde weiter verkleinert und wies nun eine Größe von 4,5 cm x 4,0 cm x 0,1 cm auf, mit leichter Mazeration an den Wundrändern. Die NPWT wurde ausgesetzt. Die weitere Behandlung hatte zum Ziel, das Granulationsgewebe feucht zu halten und die Epithelisierung zu fördern. Deshalb kam die hydroaktive Wundauflage HydroTac zur Anwendung. Am Tag 138 war die Wunde vollständig verheilt [Abb.4].

NPWT bei Hämatombildung
[1] Tag 12, Tag 8 der NPWT [2] Tag 19, Tag 15 der NPWT [3] Tag 33, Tag 29 der NPWT [4] Tag 138: Vollständig verheilte Wunde.