Wundbehandlung

Richtig applizieren und fixieren – Tipps für die Praxis (Teil 2)

Ein vollständiger Wundverband besteht üblicherweise aus der Wundauflage und einer adäquaten Fixierung zu deren sicheren Befestigung. Moderne Fixierhilfen sorgen dafür, dass auch weniger Geübte einen tadellos sitzenden Wundverband anlegen können.

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Die Fixierung von Wundauflagen ist keineswegs eine „Nebensache“. Ein sachgerecht angelegter Fixierverband unterstützt die Wundheilung, schlecht oder falsch angelegte Verbände können dagegen Ursache für schwerwiegende Schäden sein.

Ein tadellos sitzender Fixierverband hat darüber hinaus aber immer auch eine gewisse psychologische Signalwirkung. Als sichtbarer Abschluss der Wundbehandlung kann er vom Patien­ten als professionelle Leistung beurteilt werden und vermittelt ihm so das Gefühl, gut behandelt und versorgt zu sein. Rutschende, verschmutzte oder durchfeuchtete Fixierverbände sind umgekehrt natürlich nicht geeignet, das Vertrauen in das Können des Behandelnden herzustellen.

Sich in der „Kunst“ der Fixierung von Wundauflagen zu üben oder zu vervollständigen, dürfte also sowohl aus medizinischer als auch aus psychologischer Sicht von einigem Interesse sein.

Aufgaben des Fixierverbandes

Wichtigste Aufgabe der Fixierung ist, das Verrutschen und Lockern der Wundauflage zu verhindern und damit die für die Heilung unerlässliche Wundruhe sicherzustellen. Nicht fest fixierte Kompressen können auf der Wunde Bewegungsreize verursachen und zu Störungen und Verzögerungen der Wundheilung führen.

Von Bedeutung ist auch die leichte Kompressionswirkung zirkulärer Fixierungen. Für die Aufnahme von Exsudat ist eine gute Adaption der Wundauflage an die Wundoberfläche erforderlich, die bei flächigen Wundverhältnissen durch leicht komprimierende Fixierverbände verbessert werden kann. Ist der Druck jedoch zu stark, kann allerdings das Gegenteil eintreten und die Wundauflage in ihrem Saugvermögen behindert werden.

Mit einem leichten, planen Druck auf das Wundgebiet lässt sich außerdem der Entstehung heilungsverzögernder Wundrandödeme vorbeugen. Auch bei Hauttransplantationen erfolgt die abschließende Fixierung der Wundauflagen mit mäßiger Kompression.

Des Weiteren hat ein Fixierverband Schutzfunktion. Zusätzlich zur Wundauflage soll er die Wunde vor dem Eindringen von Schmutz und Keimen schützen und sie gegen Druck und Stoß abpolstern. Sind dabei zur Wundbehandlung indikationsbezogen gaspermeable Wundauflagen erforderlich, beispielsweise bei infizierten Wunden, muss auch die Fixierung eine ausreichende Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit gewährleisten.

Tipp: Drückt Blut oder Exsudat durch den Fixier­verband, muss der gesamte Wundverband sofort gewechselt und die Wunde inspiziert werden. Durchfeuchtete Fixierverbände stellen ein gefährliches Keimpotenzial dar.

Materialien und Methoden

Zur Wundauflagenfixierung stehen heute eine Reihe moderner Fixierhilfen zur Verfügung, die bei hoher Funktionalität die Anlegetechniken entscheidend vereinfacht haben. Damit werden auch Ungeübte in die Lage versetzt, sichere Wundauflagenfixierungen durchzuführen. Vor allem aber ergeben sich Zeitersparnisse mit einer entsprechenden Kostenreduzierung. Nachfolgend werden kurz beschrieben:

  • Fixierpflaster, Fixiervliese und Folienverbände
  • Fixierbinden
  • Stülp- oder Schlauchverbände
  • Netzverbände und hochelastische Fixierhöschen

Fixierpflaster Omni

Anwendung Fixierpflaster Omni

Fixierpflaster dienen zum Befestigen von Kompressen und Wundauflagen bei kleineren Wunden. Am zweckmäßigsten ist dabei das Anlegen eines sogenannten Kastenverbandes [1], d. h. die Kompresse wird an allen vier Seiten mit Pflasterstreifen fest fixiert, weil sich damit Bewegungsreize auf der Wunde am sichersten vermeiden lassen. Bei kleineren, primär heilenden Wunden, so z. B. bei Schnittwunden, bei denen die Beachtung der Wundruhe keine Rolle spielt, ist auch eine parallele Anordnung der Pflasterstreifen [2] möglich.

Tipp: Auf keinen Fall dürfen Pflasterstreifen bei Extremitäten zirkulär angelegt werden, da es dadurch zu Abschnürungen und Stauungen kommen kann.

Für die spezifischen Anforderungen hinsichtlich der Indikationen und Hauttypen werden unterschiedliche Fixierpflaster benötigt. Verfügbar sind Omni-Fixierpflaster aus textilem Gewebe (Omniplast), aus Seide (Omnisilk) und Vliesstoff (Omnipor) sowie aus poröser bzw. wasserdichter Folie (Omnifilm). Für die Beschichtung werden ausschließlich hypoallergene Klebemassen wie Polyacrylat-Kleber und speziell entwickelte Elastomer-Kleber eingesetzt, sodass sich die Omni-Fixierpflaster auch für Patienten mit empfindlicher Haut eignen.

Fixiervlies Omnifix elastic

Das Fixiervlies Omnifix elastic bietet sowohl dem Patienten als auch dem Anwender eine komfortable, vollflächige Verbandfixierung. Der Patient profitiert von den hautfreundlichen Trageeigenschaften, der Anwender von der einfachen und problem­losen Handhabung. Omnifix elastic ist außerordentlich weich und geschmeidig sowie luft- und wasserdampfdurchlässig. Die Ausscheidungsfunktionen der Haut werden kaum behindert, sodass mit Omnifix elastic auch größere Körperpartien vollflächig, ohne die Gefahr von Mazerationen abgedeckt werden können.

Omnifix elastic haftet sicher, ist dabei aber schmerzlos und ohne Rückstände zu entfernen. Ein weiterer Vorteil ist die Querelastizität des Fixiervlieses, wodurch auch an schwierig zu verbindenden Körperstellen wie Gelenken und konischen Körperteilen eine tadellose, faltenfreie Fixierung möglich ist.

Tipp: Werden die Ecken von dem benötigten Stück Omnifix elastic vor der Applikation abgerundet, verhindert dies ein Aufrollen der Ecken und erleichtert die Fixierung.

Anlegevarianten:

  • Bei der Fixierung mehrerer Kompressen (Paket) wird Omnifix elastic doppelt so breit wie die Kompressen bemessen und gemäß Schnittmuster [3]von den Seiten her keilförmig eingeschnitten, dann zunächst in der Mitte und danach ohne Zug an den Seiten fixiert [4]. Tipp: Es können sich Spannungsblasen ergeben, wenn Omnifix elastic unter Zug appliziert wird.
  • Für eine Fixierung von Wundauflagen am Ellbogen wird Omnifix elastic abgerundet und an beiden Seiten keil- oder ellipsenförmig eingeschnitten [5] und am Ellbogen angepasst [6]. Tipp: Die Einschnitte reduzieren die Faltenbildung.
  • Sichere Fixerung von HydroClean mit Omnifix elastic unter Kompressionsverband [7 / 8]. Tipp: Mazerierte Wundränder mit Mullkompressen schützen.

Anlegevarianten

Folienverband Hydrofilm

Hydrofilm auf Wunde

Der selbsthaftende, transparente Folienverband Hydrofilm aus keim- und wasserdichter, jedoch für Sauerstoff und Wasserdampf durchlässiger Polyurethan-Folie dient als Primärverband bei genähten, nicht exsudierenden Wunden, z. B. bei OP-Wunden [9], ist aber auch ideal als Sekundärverband, z. B. zur keimsicheren Abdeckung tiefer, mit der Calciumalginatkompresse Sorbalgon austamponierter Wunden oder zur Fixierung anderer hydroaktiver Wundauflagen wie HydroClean [10] oder HydroTac. Das hauchdünne und elastische Material von Hydrofilm schmiegt sich dabei jeder Körperform perfekt an. Die klebende Unterseite ist mit einer festeren Schutzfolie abgedeckt, sodass selbst mit Handschuhen eine einfache Applikation gewährleistet ist.

Von großem Vorteil ist außerdem die Transparenz von Hydrofilm, die jederzeit eine Inspektion der Wundnaht bzw. der Wundumgebung ermöglicht. Durch das wasserdichte Material von Hydrofilm wird auch die tägliche Körperpflege erleichtert, weil ein Duschen mit dem Verband möglich ist.

Tipp: Die Wundumgebung muss trocken und frei von Rückständen (z. B. Salben, Reste von Desinfektionsmitteln) sein, sonst haftet Hydrofilm nicht. Auch starke Behaarung kann die Klebekraft beeinträchtigen. Ggf. ist die Wundumgebung behutsam zu rasieren. Diese Problematik gilt für alle selbstklebenden Verbandstoffe.

Hydrofilm steht in Kompressenform steril und einzeln eingesiegelt oder in Rollenform als Hydrofilm roll zur Verfügung.

Fixierbinde Peha-haft

Als klassische Methode zur Fixierung von Wundauflagen gilt nach wie vor der Bindenverband, der entweder mit Mullbinden oder – weitaus einfacher ohne Umschlagtouren – mit elastischen Fixierbinden gewickelt wird. Er ist insbesondere Mittel der Wahl, wenn eine leichte Kompression des Wundgebietes erforderlich ist, da der gewünschte Druck nur durch zirkuläre Verbände erzielt werden kann.

Peha-haft ist eine kohäsive, elastische Fixierbinde, die ohne Umschlagtouren problemlos anzulegen und so auch für „Ungeübte“ die ideale Fixierbinde ist. Durch ein gekrepptes Bindengewebe und die mikropunktuelle Imprägnierung mit einem latexfreien Synthetik-Polymer verfügt Peha-haft latexfrei über einen zweifachen Hafteffekt. Deshalb genügen schon wenige Bindentouren zur sicheren, dauerhaften Fixierung. Selbst bei großflächigen und schwer zu verbindenden Körperteilen wie Gelenken, konischen und runden Körperteilen [11 / 12] können sich die einzelnen Bindentouren nicht lockern oder verschieben. Die Verbände sind in sich stabiler, obwohl zur Fixierung nur wenige Bindentouren ausreichend sind.

Und was besonders praktisch ist: Verbände aus Peha-haft latexfrei erfordern keine zusätzliche Endfixierung. Dies ist beispielsweise zur Fixierung von Wundauflagen unter Kompressionsverbänden von großem Vorteil: Das Bindenende wird nur angedrückt und der Verband sitzt [13 / 14]. Peha-haft haftet dabei nur auf sich selbst, nicht auf Haut, Haaren oder Kleidung, was als „kohäsiv“ bezeichnet wird.

Tipp: Beim diabetischen Fußsyndrom dürfen nie zirkuläre Bindenverbände angelegt werden, vor allem nicht aus kohäsiv-elastischen Binden. Es besteht die Gefahr schwerer ischämischer Schädigungen!

Peha-haft

Schlauchverband Stülpa

Eine inzwischen seit vielen Jahren praktizierte Möglichkeit zur schnellen und einfachen Fixierung von Wundauflagen sind Schlauchverbände wie z. B. Stülpa. Zum Anlegen eines Verbandes wird der Schlauch über die Wundauflage geführt und je nach Verbandart entsprechend verankert [17]. Auf diese Weise entsteht ein Verband, der faltenlos sitzt, nicht zerrt, nicht einschnürt und die Gelenkbewegungen nicht behindert. Vor allem aber haben Stülpverbände eine zusammenhängende, geschlossene Oberfläche, die sich auch bei starker mechanischer Beanspruchung nicht lockert. Wunden oder auch empfindliche Hautpartien werden zuverlässig geschützt.

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden Schlauchverbände außer zur Fixierung von Wundauflagen auch zum Anlegen ruhigstellender Verbände (Desault-Verband), für Extensionsverbände und in gepolsterter Form als Rucksackverband verwendet. Ideal und nahezu unentbehrlich sind sie zudem als schützender Unter- und Überzug bei Kompressionsverbänden, Zinkleim- oder Gipsverbänden [18] sowie zum Überziehen von Schienen und Wattepolstern.

Stülpa

Schlauchverband Coverflex

Coverfelx

Der dauerelastische, hautfreundliche Schlauchverband Coverflex wurde zur Anwendung im Rahmen einer Fett-Feucht-Therapie bei Neurodermitis entwickelt. Grundlage für die gute Unterstützung der Fett-Feucht-Therapie durch Coverflex ist der optimierte Materialmix aus 91 % Viskose, 4 % Elasthan und 5 % Polyamid, der einen sicheren Sitz am ganzen Körper garantiert. Das dichte und seidige Material von Coverflex verhindert zudem ein Durchsickern von Salben, was Wäsche und Kleidung vor Verschmutzung schützt.

Diese Materialeigenschaften sind es auch, die Coverflex zu einem idealen Schlauchverband zur sicheren Fixierung von Wundauflagen machen. Vor allem bei chronischen Beinwunden, deren Wundumgebung oft empfindlich und ekzematös verändert ist und einer entsprechenden (Salben-) Behandlung bedarf, ist der Hautschutz durch Coverflex ideal [15 / 16]. Die Anwendung ist einfach und erfordert keine Hilfsmittel. Coverflex steht in verschiedenen, durch einen Farbcode gekennzeichneten Größen zur Verfügung.

Netzverband Stülpa-fix

Stülpa-fix ist ein hochelastischer, weitmaschiger Netzschlauchverband zur schnellen Fixierung von Wundauflagen an allen Körperteilen. Stülpa-fix bewährt sich vor allem bei schwer zu verbindenden Körperbereichen wie beispielsweise bei einem Mammaverband oder Kopfverband. Zeitsparend ist auch, dass der Netzverband zum Auswechseln der Wundauflage nicht entfernt werden muss. Stülpa-fix wird etwas angehoben und die Kompresse kann erneuert werden. Fixiert werden die Wundauflagen durch die hohe Elastizität und Rückstellkraft von Stülpa-fix. So werden Wundauflagen auch bei extremen Bewegungen sicher fixiert. Die wenigen Handgriffe zum Anlegen des Netzverbandes sind einfach zu erlernen [19 / 20].

Hochelastische Fixierhöschen MoliPants

Dieser hilfreiche Tipp kommt aus der Pflegepraxis. Die Fixierhöschen, eigentlich dazu bestimmt, Inkontinenzeinlagen sicheren Halt zu geben, bewähren sich auch zur problemlosen Fixierung von Wundauflagen. Anwendung finden sie vor allem bei bettlägerigen, relativ immobilen Patienten, bei denen Wunden im Sakral- oder Trochanterbereich zu versorgen sind.

Anleitungen zur Verbandfixierung mit dem Schlauchverband Stülpa und dem Netzverband Stülpa-fix stehen finden Sie hier.