Fixierverbände richtig anlegen

Üblicherweise besteht ein vollständiger Wundverband aus der Wundauflage und einer adäquaten Fixierung. Während bei kleineren Wunden dazu oft selbsthaftende Fixiervliese ausreichend sind, werden bei größeren Verletzungen oder an konischen Körperteilen Fixierverbände erforderlich, die – sachgerecht angelegt – die Wundheilung in vielerlei Hinsicht unterstützen.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Der Bindenverband zur Fixierung von Wundauflagen und dem Schutz der Wunde vor Einwirkung äußerer Noxen, zur Ruhigstellung und Schonung verletzter Gliedmaßen und Gelenke sowie zur Kompressionsbehandlung bei venösen Beinleiden zählt von jeher zu den wichtigsten Heilbehandlungen. Denn ein guter Verband unterstützt die Heilung, nicht sachgerecht angelegte Verbände können dagegen die Ursache für schwerwiegende Schäden sein.

Dies gilt auch für den Fixierverband, dessen vorrangige Aufgabe es ist, das Verrutschen und Lockern der Wundauflage zu verhindern und damit die für den Heilungsprozess unerlässliche Wundruhe sicherzustellen.

Von Bedeutung ist außerdem die leichte Kompressionswirkung zirkulärer Fixierungen. Für die Aufnahme keimbelasteten Exsudats ist eine gute Adaption der Wundauflage an die Wundoberfläche erforderlich, die bei flächigen Wundverhältnissen durch leicht komprimierende Fixierverbände verbessert werden kann. Ist der Druck zu stark, kann allerdings das Gegenteil eintreten und die Wundauflage in ihrem Saugvermögen behindert werden.

Mit einem leichten, planen Druck auf das Wundgebiet lässt sich außerdem der Entstehung heilungsverzögernder Wundrandödeme vorbeugen. Auch bei Hauttransplantationen erfolgt die abschließende Fixierung der Wundauflagen mit mäßiger Kompression.

Des Weiteren hat ein Fixierverband Schutzfunktion. Zusätzlich zur Wundauflage soll er die Wunde vor dem Eindringen von Schmutz und Keimen schützen, sie gegen Druck und Stoß abpolstern und notfalls aber auch überschüssiges Exsudat aufnehmen. Allerdings ist zu beachten: Drückt Blut oder Exsudat durch den Fixierverband, muss der gesamte Wundverband sofort gewechselt und die Wunde inspiziert werden. Durchfeuchtete Fixierverbände stellen ein gefährliches Keimpotenzial dar.

Um all ihre Aufgaben erfüllen zu können, müssen Fixierverbände in jedem Fall fest und glatt anliegen und dauerhaft sitzen. Für perfekt sitzende Fixierverbände stehen heute eine Reihe von Binden und Verbänden zur Verfügung, die bei hoher Funktionalität die Anlegetechniken entscheidend vereinfacht haben.

Einige wichtige Tipps zur Verbandtechnik

Zum Anlegen eines Fixierverbandes sind trotz moderner, elastischer Materialien heute noch einige Techniken hilfreich, die in fast unveränderter Form über Jahrhunderte hinweg beibehalten wurden und deren Nomenklatur lebendig an Tradition und Herkunft dieses Wissens erinnern.

Zunächst gilt, Binden richtig in die Hand nehmen: Der aufgerollte Teil der Binde liegt oben und zeigt nach außen [Abb. 1]. Nur auf diese Weise lässt sich die Binde dicht am zu verbindenden Körperteil abrollen und die Stärke des Anzugs bzw. Druckes entsprechend den therapeutischen Erfordernissen dosieren. Dreht man die Binde andersherum, muss sie zwangsläufig beim Anwickeln vom Körper abgehoben werden. Damit geht die Bindenführung verloren und es besteht die Gefahr strangulierender Schnürfurchen oder einer Faltenbildung.

Auch die Richtung muss stimmen: Von einigen Ausnahmen abgesehen, wird der Bindenverband üblicherweise von links nach rechts und von distal nach proximal, d. h. herzwärts angelegt. Der herzwärts gewickelte Verband, z. B. von der Zehe bis zum Knie, wird als aufsteigend – ascendens – bezeichnet, der vom Herzen weg als absteigend – descendens. Dabei ist darauf zu achten, dass der Verband weder verrutschen noch einschnüren kann.

Kreistouren sind am Anfang eines Verbandes zur Verankerung der Binde erforderlich, wobei jede Tour die vorhergehende vollständig deckt. Das freie Bindenende wird leicht schräg an das zu verbindende Körperteil angelegt und mit einer Kreistour so festgehalten, dass eine Ecke etwas übersteht. Nach der ersten Tour wird die Ecke eingeschlagen und mit einer zweiten Kreistour fixiert.

Der Schraubengang (Dolabra ascendens bzw. descendens) dient zum Verbinden größerer Körperabschnitte. Er wird so gewickelt, dass sich die einzelnen Touren jeweils um die Hälfte bis zwei Drittel überdecken und die parallelen Ränder dachziegelartig aufeinanderliegen. Die Binde ist deshalb mehr oder weniger schräg zur Achse zu führen. Da heute fast ausschließlich elastisches Bindematerial eingesetzt wird, bietet der Schraubengang selbst bei stark konischen Körperpartien kaum Schwierigkeiten. Bei den früheren starren Binden hingegen waren in regelmäßigen Abständen Umschlagtouren (Dolabra reversa) erforderlich, um einen geschlossenen, glatten und fest anliegenden Verband zu erhalten.
Eine Modifikation des Schraubenganges ist der Schlangen- oder Serpentinengang (Dolabra serpens). Die Binde wird glatt und ohne Rücksicht auf Deckung der einzelnen Touren in weiten Windungen angelegt. Mit dem Serpentinengang können großflächige Wundauflagen provisorisch festgehalten werden, um sie vor dem Verrutschen zu sichern. Der Verband sollte jedoch abschließend immer mit Schraubengängen oder auch mit einem Stülpverband überdeckt werden.
Die Achtertour ist vor allem zum Verbinden von Gelenken notwendig. Wie es durch die Bezeichnung zum Ausdruck kommt, wird die Binde in Form einer Acht angelegt. Dabei sind zwei Arten üblich, der Schildkröten- und der Kornährenverband.

Liegt der Kreuzungspunkt der Acht immer an der gleichen Stelle und wird lediglich die Größe der Schlinge variiert, entsteht ein kappenartiger Verband, der Schildkrötenverband. Er kann einwärts oder auswärts gewickelt werden. Für den auswärts gewickelten Verband (Testudo cubiti reversa) wird mit kleinen Schlingen begonnen, die immer größer werden. Der einwärts gewickelte Verband (Testudo cubiti inversa) erfordert zuerst große, dann kleine Schlingen.
Beim Kornährenverband (Spica manus) dagegen bleibt die Größe der Schlingen in etwa gleich. Verändert werden jeweils die Kreuzungspunkte der Achtertouren, die in einer Anordnung ähnlich einer Getreideähre hintereinander zu liegen kommen. Das Anlegen kann sowohl aufwärts als auch abwärts erfolgen.

Hinweis: Die Technik des Kornährenverbandes ist nicht geeignet zum Anlegen eines Kompressionsverbandes bei venösen Beinleiden. Ein therapeutisch wirksamer Kompressionsverband besteht zumeist aus zwei gegenläufig gewickelten, elastischen Kurzzugbinden wie beispielsweise nach der Püttertechnik.

Die beschriebenen Grundtouren können je nach Erfordernissen miteinander kombiniert und unter Berücksichtigung des verwendeten, in der Regel elastischen Bindenmaterials auch modifiziert werden. Abgeschlossen wird ein Bindenverband gewöhnlich durch die Fixierung des freien Bindenendes mit Heftpflaster.

Hinweis: Die Befestigung des Verbandes am Körper mit Verbandklammern ist wegen der damit verbundenen hohen Verletzungsgefahr heute verboten. Eine Alternative sind Fixierpflaster.