Rückblick DGG-Jahreskongress
2017 in Frankfurt

Der Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) mit dem Leitthema „Evidenz und Innovation in geriatrischer Diagnostik und Therapie“ war ein voller Erfolg. Niemals zuvor kamen so viele Teilnehmer: Über 600 Mediziner besuchten an drei Veranstaltungstagen vom 28. bis 30. September 2017 insgesamt 21 Symposien.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Prof. Dr. Jürgen M. Bauer
Dementsprechend positiv war auch die Kongressbilanz des Kongresspräsidenten Professsor Dr. Jürgen M. Bauer, Lehrstuhl für Geriatrie Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg, der in einem Abschlussgespräch betonte: „Ich nehme mit nach Hause, dass wir mit unserem Kongresskonzept auf dem richtigen Weg sind. Mehr Qualität, verstärkte Profilierung und die Internationalisierung haben uns weiter vorangebracht. Das Interesse an unserem Fach wächst weiter. Die Expertise in den Vortägen und Diskussionen bewegt sich auf einem hervorragenden Niveau. Und die internationale Anbindung der deutschen Geriatrie gelingt, weil das Interesse daran unter den Kollegen ausreichend ist."

Zur Frage, wie das Kongressmoto „Evidenz und Innovation" von den Teilnehmern gelebt und angenommen wurde, stellte Professor Dr. Jürgen M. Bauer fest: „Die Teilnehmer haben sich mit dem Status quo der Geriatrie auseinandergesetzt, aber auch mit den Perspektiven – also mit den nötigen Strukturen und den wissenschaftlichen Entwicklungen. Wir müssen immer besser werden, damit wir unser Profil gegenüber den Kollegen anderer Fachdisziplinen so stärken, dass wir auf Augenhöhe kommunizieren und miteinander arbeiten.
Wie wichtig dieses „besser werden" ist, ergibt sich allein schon aus der demographischen Entwicklung unserer Bevölkerung. Denn zweifellos rollt auf die Altersmedizin ein Tsunami zu: Eine begrenzte Anzahl von Geriatern muss in Zukunft immer mehr ältere Menschen mit ihren spezifischen Bedürfnissen adäquat versorgen. Wie soll das gut funktionieren? Professor John Morley von der Saint Louis University, einer der berühmtesten lebenden Geriater, hat sich mit dieser Herausforderung intensiv auseinander gesetzt. In seiner mit Spannung erwarteten Keynote-Lecture „The future of Geriatric Medicine" beim Jahreskongress der DGG führte er aus, wie diese Mammutarbeit bewältigt werden kann.

Große Bedeutung kommt seiner Meinung nach einer dieser demographischen Veränderung angemessenen Ausstattung der Krankenhäuser zu: „Alle stationären Einrichtungen sollten eine Akutpflege für ältere Menschen, eine Delir-Intensivstation, eine geriatrische Notfallabteilung und eine geronto-unfallchirurgische Einheit besitzen", findet Professor Morley. Ebenso müssten Instrumente implementiert werden, mit denen die wichtigsten geriatrischen Syndrome Frailty, Sarkopenie, Anoroxie und kognitiver Abbau frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden können. „Vieles davon wird computergestützt durchgeführt werden können."

Zudem soll moderne Technologie helfen, Kapazitäten in den Krankenhäusern freizuhalten. So könnten Patienten mit weniger schweren akuten Beschwerden laut Morley durch telemedizinische Programme adäquat zuhause versorgt werden. Auch Rehabilitation könnte so funktionieren: „Moderne Technologien wie Exoskelette und computergesteuerte Physiotherapie werden eingesetzt, um die Patientenergebnisse zu verbessern, ist sich Professor Morley sicher. Die „Geronto-Technologie" wird eine bedeutende Rolle in der zukünftigen Altersmedizin spielen und so besonders für Geriater an Bedeutung gewinnen.

Unabdingbar, um dem Alters-Tsunami Einhalt zu gebieten, ist laut Morley die enge Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams, aber auch einheitliche Standards und vor allem mehr Altersmediziner: „Wir brauchen mehr Geriater, um präsenter zu sein. Und dafür brauchen wir ein größeres Bewusstsein für den Bedarf an Geriatern."
Dr. med. Rupert Püllen
Folgerichtig setzten sich die Teilnehmer auf dem DGG-Jahreskongress auch mit der Bedeutung medizinischer Leitlinien in der Altersmedizin auseinander. Diese Leitlinien sind Hilfe und immer öfter juristische Absicherung für jeden Arzt, der eine Entscheidung treffen muss. In den vergangenen Jahren hat die Leitlinienarbeit von Geriatern stark zugenommen. „Das ist enorm wichtig, damit die Empfehlung die Realität der älteren Patienten abbilden. Deshalb haben wir jetzt erneut unsere Leitlinienübersicht online aktualisiert und ausgeweitet", sagt Privatdozent Dr. med. Rupert Püllen, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am Agaplesion Markus-Krankenhaus in Frankfurt am Main und Past-Präsident der DGG. Als Vorstandsmitglied ist er damit beauftragt, aktuelle Entwicklungen stets im Auge zu behalten.

Neben den komplexen und zukunftsweisenden Themen war aber auch beim Get-together am ersten Kongresstag Zeit für ausgiebige Gespräche unter Kollegen, intensive Diskussionen und neue Kontakte. Der Gesellschaftabend fand dann im Glashaus des Restaurants „Main Nizza" direkt am Stadtstrand statt. Den internationalen Gästen wurde hervorragendes Essen und ausgezeichnete Jazzmusik geboten. So konnten die informations- und lehrreichen Kongresstage in einer entspannten Atmosphäre reflektiert werden.

Weiterführende Informationen der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie e.V.:

  • Unter www.dggeriatrie.de steht der „Abstract-Band Frankfurt 2017" mit insgesamt 157 Abstracts zu Symposien, freien Vorträgen und Postern zum Download bereit.
  • Unter dem Bereich „Aus- und Weiterbildung" hat die DGG mit freundlicher Genehmigung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Leitlinien zusammengestellt, die für Geriater von besonderer Bedeutung sind.