Entlassmanagement –
den Informationsfluss sichern

Das Entlassmanagement ist Bestandteil einer Krankenhausbehandlung. Der reibungslose Übergang von der stationären in die ambulante Versorgung hängt jedoch von allen Beteiligten – Patient, Arzt und Pflegepersonal – ab, deren erfolgreiches Zusammenwirken durch einen adäquaten Informationsfluss gesichert werden kann.

von  der HARTMANN Online-Redaktion 09 Mai 2017

Das komplexe Thema „Entlassmanagement“ steht im Fokus des HARTMANN Pflegepreises 2017. Gefragt sind dabei keine theoretisch-wissenschaftlichen Arbeiten, sondern Projekte, Ideen und Lösungen, die innovativ und wegweisend sind und sich in der Praxis bereits bewährt haben. Die drei besten Arbeiten werden mit dem HARTMANN Pflegepreis ausgezeichnet, der mit bis zu 3.000 Euro dotiert ist.

Immer mehr ältere, zumeist multimorbide und oftmals alleinstehende Menschen benötigen eine medizinisch und pflegerisch geordnete Entlassung aus dem Krankenhaus, die ihnen ambulant zuhause oder stationär in einer Pflegeeinrichtung eine an ihren individuellen Bedürfnissen ausgerichtete Weiterversorgung sichert. Da das bisher praktizierte Entlassmanagement so manche Versorgungslücken provozierte, wurden durch neue Rahmenbedingungen des Bundesschiedsamtes im Oktober 2016 Standards für die internen und sektorenübergreifenden Prozesse geschaffen, die eine sichere, transparente Umsetzung des Entlassmanagements und damit eine Reduzierung von Versorgungslücken gewährleisten sollen.

Eine sichere, transparente Umsetzung ist aber nur dann möglich, wenn die erforderliche multidisziplinäre Zusammenarbeit durch einen ausreichenden Informationsfluss gestützt wird. Ein Informationsaustausch muss funktionieren zwischen

  • Krankenhaus und einweisendem Arzt,
  • Krankenhaus und Leistungserbringer der Anschlussversorgung,
  • Krankenhaus und Krankenkasse/Pflegekasse sowie
  • Krankenhaus und Patient bzw. Angehörigen.

Die Komplexität dieses Informationsflusses ergibt nun so einige neuralgische Punkte. Beispielsweise wird der Informationsfluss zwischen einweisenden, niedergelassenen Ärzten und den jeweiligen Stationen im Krankenhaus als ausgesprochen defizitär gesehen, was durchaus den Patienten gefährden könnte. Als größte und gefährlichste Fehlerquelle bei der Entlassung gilt jedoch die Medikation bzw. der Medikationsplan. Wie Dr. Uwe Stolz, Facharzt für Allgemeinmedizin und Vorstand des Sächsischen Hausärzteverband bei der BVMed Sonderveranstaltung „Entlassmanagement in Theorie und Praxis“ ausführte, werden bis zu 45 % der Medikamente bei Entlassung erstmals in der Klinik verordnet. Bis zu 40 % der Medikamente bei Aufnahme werden bei Entlassung nicht fortgesetzt. Bei 50,8 % der entlassenen Patienten wurde mindestens ein Medikationsfehler festgestellt, davon 23 % der Fehler schwerwiegend und 2 % lebensbedrohlich (Quelle Beers et al nach Nickerson A).

Insbesondere an der Verordnungsproblematik haben sich dann auch die Geister geschieden. Um ab Juli 2017 Medikamente, Hilfsmittel und Pflege verordnen zu können, sollten sich Klinikärzte mit einer lebenslangen Arztnummer bei den KVen registrieren lassen. Dies hatte das Bundesschiedsamt gegen die Stimme der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) festgelegt, worauf die DKG mit einer Klage gegen diese Entscheidung reagierte. Als Kompromiss soll nunmehr eine Registrierung im Verzeichnis der DKG und der Kassen genügen, sodass das Entlassungsmanagement voraussichtlich im Juli unbelastet von Rechtsstreitigkeiten in Kraft treten kann.

Generell gesehen zeichnet sich ab, dass die praktische Implementierung des Entlassmanagements allen Beteiligten viel Engagement und eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit abverlangt. Sehr oft wird es dabei der Fall sein, dass die Pflegefachkraft sozusagen als „Casemanager“ im Mittelpunkt steht und hier auch gute Chancen hat, den Informationsfluss zu verbessern und zu befördern. Machen Sie deshalb mit beim HARTMANN Pflegepreis 2017 und helfen Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen mit guten Tipps und Tricks aus der Praxis.