Leeres Bett in Krankenhausflur
HARTMANN Pflegepreis 2017

Entlassmanagement –
aktuell heiß diskutiert

Seit 2015 haben Patienten in einer stationären Behandlung Anspruch auf ein Entlassmanagement. Es mangelte jedoch an der praktischen Umsetzung. Ab dem 1. Juli 2017 sollen neue Rahmenbedingungen gelten, die allerdings noch diskutiert werden.

von  der HARTMANN Online-Redaktion 18 Apr 2017

Das Thema "Entlassmanagement" steht im Fokus des HARTMANN Pflegepreises 2017. Gefragt sind dabei keine theoretisch-wissenschaftlichen Arbeiten, sondern Projekte, Ideen und Lösungen, die innovativ und wegweisend sind und sich bereits in der Praxis bewährt haben. Die drei besten Arbeiten werden mit dem HARTMANN Pflegepreis ausgezeichnet, der mit bis zu 3.000 Euro dotiert ist.

Führen die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Entlassmanagement zu einer besseren Anschlussversorgung der Patienten oder sind sie ein „bürokratischer Super-GAU“? Das ist die durchaus berechtigte Frage. Sie wird von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) eindeutig mit der Klage vor dem Landessozialgericht Berlin-Brandenburg gegen die Entscheidungen des Bundesschiedsamtes zum Entlassmanagement beantwortet. „Die Entscheidung des Bundesschiedsamtes vom 13. Oktober 2016 halten wir in zentralen Teilen für rechtswidrig, weil sie nicht der Intention des Gesetzgebers entspricht. Statt Versorgungslücken für bestimmte Patientengruppen zu schließen, soll Bürokratie pur aufgebaut werden", erklärte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

„Das Ansinnen des Gesetzgebers, den Übergang von der stationären Versorgung für bestimmte Patienten deutlich leichter zu gestalten, war und ist unser Anspruch“, kommentierte Baum weiter. „Aber das von Kassen und niedergelassenen Ärzten vorgesehene System ist ein bürokratisches Monster, das den Krankenhausärzten Zeit stiehlt, die sie zur Versorgung von Menschen benötigen“.

Ärztin führt Gespräch mit Patienten
Vor der Entlassung soll künftig jeder Patient ein Gespräch mit seinem Krankenhausarzt führen, in dem es um die weiteren Behandlungsschritte geht.

Inzwischen kündigte die DKG an, die Klage zurückzuziehen, sodass davon auszugehen ist, dass die neue Regelung – wenn auch vielleicht mit Modifikationen beim Thema der lebenslangen Arztnummer – im Juli 2017 in Kraft treten wird. 

Einer der Streitpunkte zwischen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) war unter anderem, ob der Rahmenvertrag für alle Patienten aus voll- und teilstationärer Behandlung gelten sollte, also jeder einen Anspruch auf ein Assessment für eine Anschlussversorgung hat, was das Bundesschiedsamt bejahte.

Die Entscheidung fiel damit im Sinne von KBV und GKV-Spitzenverband. Krankenhäuser sind danach ab Mitte 2017 verpflichtet, für jeden Patienten ein Entlassmanagement durchzuführen. Ziel ist es, eine lückenlose Anschlussversorgung zu organisieren. Dazu soll das Krankenhaus feststellen, ob und welche medizinischen oder pflegerischen Maßnahmen der Patient im Anschluss an einen stationären Aufenthalt benötigt. Die Maßnahmen sollen eingeleitet werden, wenn der Patient noch in der Klinik ist. Der weiterbehandelnde Vertragsarzt muss darüber hinaus rechtzeitig informiert werden. Außerdem können Krankenhausärzte bei Bedarf Arzneimittel- und Verbandmittel für einen Zeitraum von drei Tagen sowie Heil- und Hilfsmittel, häusliche Krankenpflege und Soziotherapie für bis zu sieben Tagen verordnen sowie die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen.

Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandssitzender des GKV-Spitzenverbandes, erläuterte dazu: „Der Versorgungsbedarf von Patienten richtet sich nicht nach starren Sektoren- oder Abrechnungsgrenzen. Die Entscheidung des Bundesschiedsamtes wird helfen, den Rechtsanspruch der Patienten endlich in allen Krankenhäusern durchzusetzen. Das Bundesschiedsamt hat das richtige Maß gefunden zwischen verbindlichem Ablaufstandards in den Kliniken und Handlungsspielräumen. Gewinner sind die Patienten. Ihre Entlassung aus dem Krankenhaus wird künftig zielgerichteter geplant, damit der Übergang von der Klinik zum weiterbehandelnden Arzt oder zur nächsten Versorgungseinheit reibungsloser klappt“.

Arzt überreicht Patientin Entlassungsschein
Ab Sommer 2017 greifen die Regelungen zum Entlassmanagement.

DGK-Hauptgeschäftsführer Georg Baum hält unter anderem dagegen: „Zu diesem formalen Entlassmanagement gehören Aufklärungsgespräche und das Ausfüllen von zwei Formblättern, mit der Möglichkeit des Patienten, datenschutzrechtliche Einwände zu erheben. Zeitlich bedeutet das, dass mindestens 50 Millionen Minuten Arbeitszeit gebraucht werden, das sind ca. 100.000 Arbeitstage. Entlassmanagement ist gut und richtig, aber nur für die Patienten, die es brauchen“.

Bald wird sich in der Praxis zeigen, wie sich die einzelnen Standpunkte einander annähern lassen und  zum Wohle der Patienten ein sinnvoll strukturiertes Entlassmanagement praktiziert werden kann. Dabei wird es auch in besonderem Maße auf das Engagement und die Ideen der Pflegekräfte ankommen, das Entlassmanagement für alle zu einem Gewinn zu machen. In diesem Sinne ist auch das Thema des HARTMANN Pflegepreises 2017 zu verstehen: „Herausforderung Entlassmanagement“. Machen Sie mit und zeigen Sie auf, was Sie selbst oder Ihre Gruppe zur Lösung der anstehenden Probleme beigetragen haben oder beitragen werden.