Medizin & Pflege

Evidenzbasierte Pflege –
neuer Studiengang in Halle

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg startete im Wintersemester ein in Deutschland noch einmaliger Studiengang, der in Theorie und Praxis Medizin und Pflege verbindet.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
"Evidenzbasierte Pflege (B.Sc.) – primärqualifizierend –" nennt sich der neue Studiengang der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der im Wintersemester 2016 erstmalig angeboten wurde. Sinn des Modellstudiengangs ist eine akademisierte Pflegeausbildung. Der Bachelor-Studiengang ist auf vier Jahre ausgelegt, an deren Ende die Absolventen nicht nur einen Berufsabschluss als Gesundheits- und Krankenpfleger haben, sondern auch einen Bachelorabschluss. Alle Studien- und Ausbildungsziele werden dabei auf demselben akademischen Niveau und unter anderem interprofessionell in gemeinsamen Unterrichtsveranstaltungen mit Studierenden der Humanmedizin vermittelt.
Damit sollen die Studierenden zur Analyse von komplexen pflegerelevanten Gesundheitsproblemen befähigt werden. Das zweite übergeordnete Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Urteile von wissenschaftlichem Regelwissen abzuleiten, sie im Kontext der individuellen Situation der Patientinnen und Patienten zu interpretieren und darauf aufbauend pflegerische und heilkundliche Maßnahmenpläne und Problemlösungsstrategien zu erarbeiten und weiter zu entwickeln.

Zudem sollen Studierende des Studiengangs „Evidenzbasierte Pflege“ für die Übernahme heilkundlicher Tätigkeiten bei Bluthochdruck-, Demenz- sowie Diabetes-Patienten (Diabetes mellitus Typ 1 und 2) und bei chronischen Wunden qualifiziert werden. „Weil die Medizin stetig komplexer wird, muss eine stärkere Differenzierung in der Pflege stattfinden, um die Patienten optimal versorgen zu können“, so Prof. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät. Dazu gibt es eine Vereinbarung mit den gesetzlichen Krankenkassen, die das Modellvorhaben nach §63, SGB V unterstützen.

Im Studiengang, für den die allgemeine Hochschulreife oder ein als gleichwertig anerkanntes Zeugnis, notwendig ist, werden u.a. folgende Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt:

  • Wissenschaftlich fundiertes Fallverstehen und ein methodisch reflektiertes, differenziertes und priorisiertes professionelles Handeln,
  • bedarfsgerechtes Gestalten von pflegerischen Maßnahmen im stationären als auch ambulanten Bereich, ausgerichtet an der Komplexität des Versorgungsauftrags,
  • Recherche, Analyse und Bewertung aktueller Forschungsberichte zu pflegerelevanten Assessments und Interventionen und Einschätzung der externen Evidenz für die Translation in die Praxis,
  • Anleitung von kranken oder hilfsbedürftigen Menschen zur Erlangung eines hohen Maßes an gesundheitsbezogener Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Autonomie,
  • Kommunikations- und Interaktionskompetenzen im Bereich der Beratung, Anleitung und Schulung sowie in der Gesundheitsförderung und Prävention/Rehabilitation von Patienten/Patientinnen und ihren Angehörigen sowie darüber hinaus in der Planung, Anleitung und Umsetzung von pflegerischen Maßnahmen,
  • Kompetenzen zur interdisziplinären Zusammenarbeit mit anderen relevanten Berufsgruppen des Gesundheits- und Sozialsystems sowie intra- und interdisziplinäre und sektorenübergreifende Versorgungssteuerung und Schnittstellenmanagement,
  • Formulieren von pflegerelevanten Problemstellungen, Entwickeln von wissenschaftlich begründeten Lösungsansätzen, die logisch bzw. forschungserkenntnisbezogen im Team, vor einem Fachpublikum oder vor Laien präsentiert und begründet werden,
  • Kritisch-analytische Auseinandersetzung mit sozial-, gesundheits- und pflegewissenschaftlichen Theorien,
  • Reflexion von gesetzlichen Grundlagen, ethischen Prinzipien und pflegerisch-therapeutischen Methoden.