Stürze vorbeugend verhindern –
eine wichtige Aufgabe der Pflege

Die Pflege kennt eine Reihe von Maßnahmen, die das Sturzrisiko des Einzelnen signifikant reduzieren können. Bedeutsam für die Maßnahmenplanung ist, die Verkettung intrinsischer und extrinsischer Risikofaktoren im Zusammenhang zu sehen

von  der HARTMANN Online-Redaktion

Sturzprävention beginnt mit dem Erkennen der Sturzgefährdung. Wie häufig eine Sturzrisikoeinschätzung erforderlich ist, hängt dabei von den individuellen Gegebenheiten rund um den alten Menschen ab. Vor allem sind es die intrinsischen Faktoren, die sich von heute auf morgen und von Stunde zu Stunde verändern und das Sturzrisiko akut erhöhen können.
Neben der Ersteinschätzung durch den Arzt bedeutet es deshalb für den sturzgefährdeten alten Menschen eine enorme Sicherheit, wenn die Pflegefachkraft im Rahmen einer umfassenden Patientenbeobachtung ständig ein wachsames Auge auf ihn hat. Hilfreich ist dabei auch, hin und wieder ganz konkret seine lokomotorischen Fähigkeiten zu überprüfen. Die Medizin hat dazu einige Tests entwickelt, mit denen sich Standsicherheit, Gangmerkmale, Seitenbalance, Muskelkraft und Koordinationsvermögen beurteilen lassen. Zeigen sich bei den Tests entsprechende Defizite, sind diese Erkenntnisse an den behandelnden Arzt weiterzugeben.

Im häuslichen Pflegebereich können die Angehörigen mit diesen Tests auf die lokomotorischen Defizite des Pflegebedürftigen aufmerksam gemacht werden. Dieses Bewusstmachen kann wiederum dazu führen, dass eine gute Zusammenarbeit von Pflege und Angehörigen im Hinblick auf die erforderlichen Präventivmaßnahmen entsteht.

Mit Training gegen körperliche Unsicherheit

Experten sind sich einig: Regelmäßige Bewegung, einfache Balanceübungen und (wenn es noch möglich ist) ein wenig Krafttraining geben dem sturzgefährdeten alten Menschen Sicherheit bei seiner alltäglichen Lokomotion zurück. Denn der Vorgang des Gehens, der in jüngeren Jahren automatisch abläuft, wird im Alter zunehmend zu einer Leistung, die Konzentration erfordert. So empfehlen sich Übungen, die das motorische Gedächtnis fördern und Bewegungsabläufe wieder mehr automatisieren. Die Übungen können einfach sein und sollten aus der Alltagsbewegung heraus kommen, wie beispielsweise Zähneputzen im Einbeinstand als tägliche Balanceübung oder – falls noch möglich – Treppensteigen statt Liftfahren als bewusste, kurze Kraftanstrengung der Wirbelsäulen- und Beinmuskulatur. Eine Beratung durch einen Physiotherapeuten, der einen solchen einfachen „Übungsplan“ nach den individuellen körperlichen und geistigen Gegebenheiten beim sturzgefährdeten Menschen aufstellen kann, wäre sehr zu empfehlen.

Sinnvolle Maßnahmen zur Risikominimierung

Nicht zuletzt aufgrund der vielen möglichen intrinsischen Risikofaktoren kann auch mit den besten Interventionsprogrammen keine 100-prozentige Sicherheit erreicht werden. Zu plötzlich und nicht vorhersehbar kann ein Sturz kommen, der beispielsweise durch eine akute Bewusstseinsstörung oder einen Schwindel ausgelöst wird. Dennoch kann vorausschauend eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden, die das Umfeld des sturzgefährdeten Menschen sehr viel sicherer machen und auch zur Entschärfung intrinsischer Faktoren beitragen können.

  • Eine selbstverständliche Maßnahme sollte sein, alle „Stolperfallen“ zu eliminieren und die Umgebung an die Erfordernisse des gangunsicheren Menschen anzupassen. Gefahrenquellen sind beispielsweise rutschende Teppiche, Teppichkanten, zu hohe Türschwellen, Telefonkabel, glatte Treppen usw. Sicherer wird das Wohnumfeld durch genügend Haltevorrichtungen, rutschfeste Beläge auf glatten Flächen, Toilettensitzerhöhungen oder Badewanneneinstiegshilfen.
  • Nach Angaben der AOK passieren 40-50 % der Sturzereignisse beim Aufstehen und 30 % in der Nacht auf dem Weg zur Toilette. Deshalb ist sowohl im stationären wie auch im häuslichen Pflegebereich sicherzustellen, dass das (Pflege-) Bett auf genau die Höhe gestellt wird, die ein selbstständiges sicheres Ein- und Aussteigen ermöglicht, und ggf. mit einem Haltegriff (evtl. zusammenschiebbares Bettgitter) versehen wird.
  • Wichtig ist auch die Beleuchtung. Bewegungsmelder, die beim nächtlichen Gang zur Toilette automatisch das Licht einschalten, ersparen das mühsame und oftmals riskante Tasten nach dem Lichtschalter, weil hier allzu leicht die Balance verlorengeht.
Stürze im Alter verhindern
Maßnahmen zur Sturzvermeidung sind z. B. das rutschfeste Fixieren von Teppichen, gutes Schuhwerk anstelle von Pantoffeln oder ein Rufsystem für schnelle Hilfe.
  • Allein lebende ältere Menschen im häuslichen Bereich müssen zudem vor einer ganz besonderen Gefahr geschützt werden. Wenn sie stürzen, ist es nicht auszuschließen, dass sie stundenlang unversorgt in der Wohnung liegen. Ein Hausnotrufsystem, das auch am Körper getragen wird und nicht nur in der Nachttischschublade liegt, kann hier dem älteren Menschen das Vertrauen geben, im Ernstfall schnell Hilfe zu bekommen.
  • Auch die Auswahl der Schuhe spielt bei der Risikominimierung eine große Rolle. Laut Experten steht man am sichersten in knöchelumfassenden Schuhen mit dünner, härterer Sohle. Damit hat man den besten Bodenkontakt und der ältere Mensch kann trotz eventueller Defizite in seiner Körperwahrnehmung die eigene Position und Fußstellung einigermaßen wahrnehmen. Hingegen wird von Turn- und Joggingschuhe abgeraten, weil die dicken weichen Sohlen die Balance des sturzgefährdeten Menschen untergraben.
  • Ein sicherer Gang setzt gutes Sehen voraus, weil das Sehvermögen ein äußerst wichtiger Informationskanal für die Kontrolle der eigenen Körperhaltung ist. Ein eingeschränktes Sehvermögen hingegen kann dazu führen, dass Hindernisse oder Sturzgefahren wie z. B. glatte und / oder nasse Oberflächen nicht ausreichend wahrgenommen werden. Sturzgefährdete Menschen sollten deshalb in regelmäßigen Abständen auf ihre verbliebene Sehkraft bzw. Sehbeeinträchtigungen hin überprüft werden.
  • Auch die Auswirkungen von Medikamenten auf die Gangsicherheit älterer Menschen sind mit in die Beobachtungen einzubeziehen. Gegebenenfalls ist durch den behandelnden Arzt die Medikation anzupassen.
  • Da der Zusammenhang zwischen Stürzen und mangelnder Muskelkraft unumstritten ist, hat auch der Ernährungszustand des älteren Menschen Folgen für die Gangsicherheit. Eine unterernährte Person trägt ein erhöhtes Sturzrisiko, dem gegebenenfalls durch eine hochkalorische Ernährung entgegenzuwirken ist. Sinnvoll ist möglicherweise auch die Gabe von Kalzium und Vitamin D. Die Anpassung der Ernährung erfolgt auf Anweisung des Arztes.
Stürze im Alter verhindern
Regelmäßige Untersuchungen des Sehvermögens und eine Überwachung der Medikation zur Vermeidung riskanter Nebenwirkungen, aber auch eine gute Ernährung sowie der Gebrauch von Gehhilfen können viel dazu beitragen, Senioren die Gangsicherheit zu erhalten.

Der Einsatz von Hilfsmitteln

Bei der Benutzung einer Gehhilfe, eines Stocks oder eines Rollators ist bereits klar, dass der Betreffende ein hohes Sturzrisiko hat. Die Gehhilfen sollen dann dazu beitragen, Stürze zu verhindern, was sie bei korrekter Anwendung auch gut erfüllen.
Eine weiteres Hilfsmittel sind Hüftprotektoren, die als energieaufnehmende Polsterung der Trochanter hüftgelenksnahen Frakturen vorbeugen. Da die Polsterungen zwangsläufig ziemlich auf den Hüften auftragen, werden sie allerdings oftmals schlecht akzeptiert.