Woche der Demenz unter dem Motto „Die Vielfalt im Blick“

Vom 18. bis 24. September 2017 findet die Woche der Demenz statt. Rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September finden bundesweit Aktivitäten für Menschen mit Demenz unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Katarina Barley und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe statt.

von  der HARTMANN Online-Redaktion
Demenz hat viele Formen und Gesichter. Meist erkranken Menschen erst im höheren Alter an einer Demenz, manchmal beginnt die Krankheit jedoch schon viel früher, während der Berufstätigkeit. Dabei verändern sich die Symptome und Auswirkungen im Verlauf der Krankheit. Menschen mit einer beginnenden Demenz sind meist noch weitgehend selbstständig, haben viele Fähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten. Wenn die Demenz fortschreitet, benötigen die Betroffenen immer mehr an Unterstützung – durch Angehörige, ehrenamtliche Helferinnen oder professionell Pflegende. Vor allem am Lebensende können sie ihre Bedürfnisse kaum noch ausdrücken und brauchen eine einfühlsame Begleitung.

„Wir möchten, dass Menschen mit Demenz unabhängig von ihrem Krankheitsbild und ihrem Hintergrund ein gutes Leben führen können. Die Menschen und ihre Angehörigen sind unterschiedlich, die Lebenssituationen sind vielfältig. Deshalb braucht es individuelle und gute Angebote und Strukturen und wir müssen uns auch auf bestimmte Personengruppen einstellen wie z. B. Menschen, die einen Migrationshintergrund haben“, so Monika Kaus, Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
„Demenz. Die Vielfalt im Blick“ ist deshalb nicht von ungefähr das Motto des Welt-Alzheimertages 2017 am 21. September und der Woche der Demenz 2017 vom 18. bis zum 24. September.

Seit 1994 finden am 21. September in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen. Weltweit sind etwa 46 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 131,5 Millionen ansteigen, besonders dramatisch in China, Indien und den afrikanischen Ländern südlich der Sahara.

Der Welt-Alzheimertag (WAT) wird von der Dachorganisation Alzheimer's Disease International (London) weltweit unterstützt.
In Deutschland will die nationale Allianz für Menschen mit Demenz mit der vom 18. bis zum 24. September stattfindenden Woche der Demenz das Verständnis und die Unterstützung für Betroffene und pflegende Angehörige fördern.

Die Woche der Demenz wird 2017 bereits zum dritten Mal ausgerufen und durchgeführt. Denn immer wieder geht es darum, auf die Situation der 1,6 Millionen Demenzkranken in Deutschland und ihrer Familien hinzuweisen. Auch wenn gegenwärtig eine Heilung der Krankheit nicht möglich ist, kann durch medizinische Behandlung, Beratung, soziale Betreuung, fachkundige Pflege und vieles mehr den Kranken und ihren Angehörigen geholfen werden.

Zur Woche der Demenz organisieren die örtlichen Alzheimer-Gesellschaften und Selbsthilfegruppen eine Vielzahl lokaler Veranstaltungen, die für das Schicksal und die Lebenssituation demenzkranker Menschen sensibilisieren sollen: Von Informationsständen auf Marktplätzen, Informationsabenden gerontopsychiatrischer Ärzte, engagierter Fachkräften und Laien mit praxisrelevanten Themen wie beispielsweise „Demenz, Delir oder Depression – eine wichtige Unterscheidung“, „100 Arten von Humor im Umgang von Menschen mit Demenz“ oder – besonders wichtig – „Kommunikation mit demenziell erkrankten Menschen“, über ein „Verwöhnfrühstück für pflegende Angehörige“ in Einrichtungen der Tagepflege oder Vorführungen von Filmen, die sich mit Demenz beschäftigen, bieten die Akteure vielfältige Impulse, um die Herausforderung Demenz zu bewältigen.

Dennoch ist es noch ein weiter Weg zu einer befriedigenden Situation. Auch wenn die Öffentlichkeit mehr als in der Vergangenheit zum Krankheitsbild sensibilisiert ist und durch die umfassende Reform der Pflegeversicherung auch politisch einiges passiert ist, gibt es angesichts der immer noch wachsenden Zahl von Demenzkranken bei gleichzeitigem Mangel an qualifiziertem Pflegepersonal noch viel zu tun. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft fordert deshalb eine Nationale Demenzstrategie, um diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. Dazu sagt Monika Kaus: „In der Nationalen Allianz für Menschen mit Demenz haben viele Akteure in den letzten Jahren gut zusammengearbeitet. Diese Initiative muss nun ab 2018 in eine nationale Demenzstrategie münden. Wir erwarten – unabhängig davon, wer die Bundestagswahl gewinnt –, dass dieses Vorhaben sich in einem Koalitionsvertrag wiederfindet.“

Ein Schritt in die richtige Richtung dürfte sein: Mit Förderung des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) schaltet die Deutsche Alzheimer Gesellschaft am 21. September 2017 eine Internetseite online, die sich speziell an Menschen mit Migrationshintergrund richtet. Sie bietet einen Überblick über spezielle Angebote für diese Gruppe und bietet Informationen in türkischer, russischer und polnischer Sprache an.