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Der Mann mit dem richtigen Riecher

Körperpflege- und Kosmetikprodukte von Kneipp sind mehr als nur ein Duschgel, ein Schaumbad oder etwa eine Gesichtscreme – treffen Sie den Mann, der durch spezielle Düfte und Aromen die Stimmungslage vieler Menschen positiv beeinflusste.

Rainer Wohlfart Kneipp
Dr. Rainer Wohlfart

Die olfaktorische Wahrnehmung, auch Geruchssinn genannt – eine Fähigkeit, die Dr. Rainer Wohlfart seit jeher fasziniert. Bereits in seiner Doktorarbeit schrieb er über die beruhigende Wirkung des Hopfens. „Wenn sie den Titel hören, grinsen viele Menschen. Es ging aber um die Düfte des Hopfens und was sie im menschlichen Körper bewirken. Damals etwas ganz Neues“, erklärt Rainer Wohlfart rückblickend. Das Interesse aus dem Studium wurde zur beruflichen Leidenschaft. Ende 2017 ging er nach 31 Jahren als Leiter der Abteilung Forschung, Entwicklung und Zulassung der Kneipp GmbH in den Ruhestand. Doch auch wenn er nicht mehr täglich in dem Unternehmen mit Sitz in Würzburg erscheint – irgendwie ist er immer noch präsent. Wohlfart hinterließ bleibende Spuren.

1986 bewarb er sich dort als „junger Kerl“ auf Empfehlung seines Doktorvaters um eine Anstellung. Chef war damals der Apotheker Senator Luitpold Leusser, der das Unternehmen in dritter Generation führte. Die Geschäfte liefen gut. Einige Jahre zuvor waren die Vertriebskanäle auf Drogeriemärkte und den Lebensmitteleinzelhandel ausgeweitet worden. Viele Verbraucher schworen auf Kneipp-Produkte – ob es nun Badesalze, Nahrungsergänzungsmittel oder Pflanzensäfte waren.

Phytotherapie zur Behandlung von Krankheiten

Senator Leusser war bereits um die 70 – seine Nachfolge offen. Ein Hindernis stellte dies für Wohlfart nicht dar. „Die Firma Kneipp, das war schon damals ein guter Name, der für Werte stand“, erinnert er sich. Als Leusser ihm antrug, in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung seines Hauses anzufangen, zögerte er nicht lange und sagte Ja. Fortan arbeiteten die beiden eng und vertrauensvoll zusammen. „Herr Leusser war nicht der einfachste Mensch, aber er hatte ein großes Herz“, sagt der Forscher über den ehemaligen Geschäftsführer.

Wohlfart war nunmehr voll und ganz in seinem Element. Er tüftelte an Düften, experimentierte mit ätherischen Ölen und beriet sich hierbei auch mit Parfümeuren. „Aus der Forschung entstanden oft auch gute, verlässliche Freundschaften mit vielen Weggefährten“, erzählt Rainer Wohlfart. Besonders der Parfümeur Dr. Heinz-Peter Münzing begleitete ihn über die Jahre. „Er war ein echter Mentor, speziell im Feld der ätherischen Öle.“ Dr. Münzing war auch im Dezember 2017 – mit über 80 Jahren – bei Dr. Wohlfarts offizieller Verabschiedung in den Ruhestand dabei.

Intensiv befasste sich Dr. Wohlfart mit der Phytotherapie, also mit der Anwendung pflanzlicher Mittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Krankheiten. „Alles, was wir brauchen, um gesund zu bleiben, hat uns die Natur reichlich geschenkt“, lautet eine der Grundüberzeugungen des Namensgebers der Firma, dem Pfarrer und Naturheilkundler Sebastian Kneipp (1821-1897). Eine Ansicht, die Wohlfart vollauf teilt.


Sebastian Kneipp Portrait
Sebastian Kneipp

Best of science, best of nature

Die erste Produkteinführung, die Dr. Wohlfart begleitete, waren die Nordmeer-Fischöl-Kapseln. Etwas Neues damals: die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren – heute in vielen Lebensmitteln eine Normalität. Unzählige weitere folgten. Aber egal, welches Erzeugnis die Produktion nach der Herstellung verlässt: Es muss verträglich sein – und es muss tatsächlich wirken: „Es gibt Produkte im Handel, die nicht das halten, was sie versprechen“, erklärt Wohlfart. Bei Kneipp gilt der Grundsatz „Best of science, best of nature“. Schon Sebastian Kneipp wollte immer, dass seine Produkte wissenschaftlich anerkannt, aber auch im Einklang mit der Natur sind. Daran hat sich bis heute nichts geändert. So führt das Unternehmen unter anderem zusammen mit dem Wuppertaler Forschungsinstitut Psyrecon, einem unabhängigen Institut für angewandte Psychophysiologie, regelmäßig Studien durch, die belegen, dass spezielle Duftkombinationen ganz erstaunliche Wirkungen haben können.

Die PAUL HARTMANN AG steigt ein

Zurück ins Jahr 1996: Als Luitpold Leusser im Oktober stirbt, übernehmen seine Frau Mareille und drei weitere Familienmitglieder die Führung der Kneipp-Werke (heute: Kneipp GmbH). Im Laufe der Jahre wurde das Unternehmen immer internationaler – Ländergesellschaften in der Schweiz und Österreich, in den Niederlanden, Frankreich und Japan sowie den USA wurden gegründet. In Deutschland wandelten sich die Werke zu einem modernen Produktionsstandort. Im April 2008 wurde Kneipp eine 100-prozentige Tochter der PAUL HARTMANN AG. In den vergangenen Jahren wurde die Produktpalette systematisch erweitert: Neben pflanzlichen Arzneimitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Badezusätzen und Duschen gehören inzwischen auch Pflegeserien für Körper und Gesicht sowie Raumdüfte zum Sortiment.

Kneip Produkt HARTMANN

Erst Zweifel, dann Verkaufsschlager: Aroma-Pflegeschaumbäder

Als Verkaufsschlager haben sich die Aroma-Pflegeschaumbäder erwiesen, die 2010 in den Handel kamen. „Heute kann ich es sagen: Ich war kein Unterstützer der ersten Idee der Schaumbäder. Doch jetzt bin ich ein Fan“, sagt Wohlfart. An den verschiedenen Aromen hat er mit seinem Team lange getüftelt – herausgekommen sind mehr als 20 verschiedene Sorten mit Namen wie „Gute Laune“. Die emotionale Namensgebung kam auch in anderen Produktkategorien zum Einsatz. So enthält die Aroma-Pflegedusche „Lebensfreude“, einer der Kneipp-Beststeller, einen patentierten Duftkomplex mit dem ätherischen Öl der Litsea Cubeba, der nachweislich die Stimmungslage verbessern kann.

Innovationen bis zum Schluss

Bis zu seinem letzten Arbeitstag hat Wohlfart immer wieder Neues angestoßen. Ein großes Thema war und ist der pH-Wert der reifen Haut im Alter. In Studien konnte sein Team nachweisen, dass bei Anwendung von Pflegeprodukten mit einem pH-Wert von 4 der im Alter häufig erhöhte pH-Wert der Haut dauerhaft gesenkt und damit normalisiert werden kann. Auf diese Weise können natürliche Schutzmechanismen reaktiviert werden, die vor im Alter häufigen Hauterkrankungen schützen.

Für sein Lebenswerk hat Wohlfart 2017 den BSB-Preis bekommen. Darauf ist er stolz – aber er sagt auch: „Meine Leistungen waren nur mit Hilfe der vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich, die über die Jahre die Produkte mitentwickelt haben.“

Selbst im Ruhestand lässt ihn seine berufliche Leidenschaft rund um Düfte, Aromen und ätherische Öle nicht los. „Ich mache weiter wie bisher, aber deutlich reduziert“, erzählt Wohlfart. Vor kurzem hat er nochmal ein Unternehmen gegründet – natürlich rund um die Wirkung von Duftstoffen. Auch Zeit fürs Reisen plant er ein, am liebsten sechs Wochen am Stück. Aber keine Pauschalreise. Zunächst plant er eine Alpenüberquerung und dann eine Expedition durch Madagaskar. Zuzutrauen ist es ihm. Dr. Wohlfart hat schließlich den richtigen Riecher – nicht nur bei Düften.