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Von der Patientenpflege in die Unternehmenstätigkeit: Tipps (und Anekdoten) von einer Wundexpertin

Die Schulung am Krankenbett ist die wirksamste Schulung. Nur so lernen wir, Menschen zu helfen.

In wenigen Tagen werde ich 60 Jahre alt. Wie die Zeit vergeht! Ich habe die letzten 40 Jahre mit der Pflege anderer Menschen verbracht, und ich bereue keine Minute davon. Ich zähle mich zu den Glücklichen: Ich hatte das Glück, zu einem Zeitpunkt am Leben so vieler Menschen teilzunehmen, an dem sie am verletzlichsten waren. Das ist ein äußerst sensibler Bereich und es war ein Privileg, ein Teil davon gewesen zu sein. Ich nehme diese Momente niemals als selbstverständlich hin.

Über diese vier Jahrzehnte habe ich jedoch viele Krankenschwestern und Krankenpfleger kommen und gehen gesehen – mich eingeschlossen. Sie waren erschöpft von der Politik im Gesundheitswesen, den Überstunden und der fehlenden Anerkennung.
Während wir uns auf die neue Generation der Krankenschwestern und Krankenpfleger vorbereiten, die zu diesen wechselhaften Zeiten die Arbeit in diesem Betätigungsfeld aufnehmen, kann ich nur hoffen, dass sie auf die aufregende, beängstigende, fordernde aber letztendlich erfüllende Zeit vorbereitet sind, die vor ihnen liegt.

Ich möchte sie dazu ermuntern, jeden Moment am Krankenbett zu nutzen, um die besten Seiten dieses Berufs kennenzulernen. Dies sind meine Wünsche für die Krankenschwestern und Krankenpfleger, die als nächstes ihren Abschluss erlangen.

Machen Sie eine Zusatzausbildung zur Schulung am Krankenbett.

Die Schulung am Krankenbett ist die wirksamste Schulung. Mit der Vorbereitung auf die Abschlussklasse 2020 – die nächste weltweite Abschlussklasse der Krankenschwestern und Krankenpfleger – können wir uns keine Distanzierung von dieser Tatsache leisten.

Mit der heute verfügbaren Hochschulausbildung haben viele dieser angehenden Fachkräfte Schwierigkeiten, grundlegende und erforderliche Erfahrungen am Krankenbett zu sammeln. Ich bin ganz und gar dafür, Krankenschwestern und Krankenpfleger an Hochschulen auszubilden, allerdings sollte die Ausbildung in den Krankenhäusern angesiedelt sein, mit Unterbrechungen für Blockunterricht an den Hochschulen oder online.
Was heute fehlt, ist die Erfahrung der Vielfalt an unterschiedlichen täglichen Herausforderungen und die Möglichkeit, praktische Kenntnisse zu erlangen. Es sind diese ersten Jahre in der praktischen Krankenpflege, die so lehrreich sind. In diesen frühen Jahren lernt man, auf die Patienten zu hören, wenn diese über Schmerzen klagen, oder die Zeichen zu lesen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Im Gegensatz umfasst die heutige Ausbildung weitaus mehr technische Informationen. Dabei laufen die Fachkräfte oft Gefahr, von Informationen überflutet zu werden und den Patienten aus dem Auge zu verlieren. Letzten Endes können Technik und Schreibarbeit nicht die wahren Fachkräfte ersetzen, die dahinterstehen.

Legen Sie sich einen starken Magen zu und behalten Sie einen kühlen Kopf.

Ich werde eine Pausenbrotdose nie mehr mit denselben Augen betrachten.

Während meiner Station in der Chirurgie kann ich mich noch genau an die Drainage eines Abszesses erinnern. Der einzige verfügbare Behälter, der all die Drainageflüssigkeit aufnehmen konnte, war eine Pausenbrotdose.

Der richtige Mittelweg zwischen einem starken Magen und der nötigen Portion Humor ist schwierig zu finden, aber Krankenschwestern und Krankenpfleger haben hier den Dreh raus.
In der Krankenpflege findet man sich häufig in einer Position wieder, die Situation in den Griff bekommen zu müssen, ruhig zu bleiben, klar zu denken und die richtigen ersten Schritte zur Lebensrettung ergreifen zu müssen. Die Krankenpflege ist vielfältig, komplex und zuweilen sogar unberechenbar. Jeder Tag ist anders und bietet viele Möglichkeiten, um sich in Bereichen zu entwickeln und zu verbessern, die einem am meisten am Herzen liegen.

Bequemlichkeit ist keine Option, wenn die Patienten einem ihr Leben in die Hände geben und so viele Dinge schieflaufen können (und es oftmals auch tun).

Krankenpflege ist so facettenreich: Sie ist medizinisch, praktisch, technisch, inspirierend, emotional und ja, manchmal auch ein bisschen eklig.

Hören Sie nicht auf, Danke zu sagen.

Erst nachdem ich nicht mehr als Krankenschwester tätig war, bemerkte ich, dass meine Kollegen vor lauter Arbeit und Erschöpfung die kleinen Dinge vergessen hatten.

Sagen Sie Danke zu Ihren Kollegen, Vorgesetzten, Mitarbeitern, Partnern, zu Ärzten, Krankenschwestern und Krankenpflegern, anderen medizinischen Fachkräften, den Familien und vor allem zu Ihren Patienten.

Denken Sie immer daran, dass Krankenschwestern und Krankenpfleger Teil eines Teams sind, das sich gegenseitig und den Einsatz, den wir alle täglich leisten, wertschätzen muss.

Das ist schon alles. Einfach Danke sagen. Dadurch könnten wir wahrscheinlich ein paar mehr Krankenschwestern und Krankenpfleger in ihrem Beruf halten.

Halten Sie an Ihrer Berufung fest.

Es ist beinahe 40 Jahre her, dass ich miterlebte, wie mein erster Patient verstarb. Vor 20 Jahren trat ich meine erste Stelle im Vertrieb für Medizinprodukte an. Bis heute erhalte ich Anrufe von Krankenschwestern, die sich um eine Wundheilung bemühen.

Ich bin weiterhin Krankenschwester. Das ist mehr als ein Beruf. Das macht mich aus.

Meine Position als klinische Trainerin war eine natürliche Entwicklung für mich. Ich kann noch immer erkennen, was für die Wundheilung erforderlich und für den Patienten am besten ist, unabhängig vom Produktnamen oder Preis. Im Vertrieb war ich in vielen Krankenhäusern tätig und hatte dort das Gefühl, einer größeren Zahl von Menschen auf effektivere Weisen zu helfen. Ich konnte den Ärzten und medizinischen Fachkräften die Produkte anbieten, die am besten den Bedürfnissen ihrer Patienten entsprachen, und damit gleichwohl ihren Arbeitstag erleichtern.

Auch weiterhin habe ich jeden Tag das Gefühl, Menschen zu helfen. Heute trage ich dazu bei, dass Menschen mit Wunden geheilt werden.

Ich kann mich noch genau an das erste Mal erinnern, dass einer meiner Patienten verstarb und ich ihm beistand. Ich kam nach Hause und meine Freunde waren mit den Vorbereitungen für einen Urlaub von der Universität beschäftigt. Sie hatten keine Vorstellung davon, was ich gerade durchgemacht hatte.

Dies hat mich schließlich zu der Erkenntnis geführt, welche wichtige und privilegierte Rolle ich jeden Tag im Leben der Menschen einnehme. Diese Erfahrungen haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Nicht viele Berufe können das.

Sara Ford

Sara Ford - National Clinical Wound Educator bei HARTMANN GROUP

Sara Ford, die landesweite klinische Wund-Trainerin von HARTMANN Australien, arbeitete mehr als 20 Jahre als Krankenschwester, bevor sie als Vertriebsspezialistin und Unternehmensberaterin für einige der größten Gesundheitsdienstleister tätig war. Heute schult sie Ärzte und medizinische Fachkräfte in ganz Australien zu Best Practices in der Wundbehandlung und Produktauswahl.