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Flächendesinfektion: Welche Rolle spielen Einwirkzeiten der Hersteller?

Wie Einwirkzeiten ermittelt werden und wann diese unbedingt eingehalten werden müssen, erklärt Dr. Jan Schröder, Development Surface/Instruments Products, Research & Development, BODE Chemie, im Interview.

Wie wird die Wirksamkeit eines Produktes zur Flächendesinfektion ermittelt?

Fläschendesinfektion von OP Lampe

Dr. Jan Schröder: Die Wirksamkeit unserer Produkte innerhalb einer bestimmten Zeit wird nach europäischen Normen wie z. B. den EN für die Bakterizidie, Viruzidie, sowie Fungizidie und Sporizidie für hochwirksame Produkte und nach dem praxisnahen 4-Felder-Test geprüft. Weiterhin testen wir unsere Flächenprodukte auch entsprechend den Vorgaben des Verbandes für Angewandte Hygiene (VAH e.V.) bzw. der ÖGHMP. Auf Basis dieser Wirksamkeitsprüfungen empfehlen wir verschiedene Einwirkzeiten, die für die jeweilige Kategorie sicherstellen, dass alle Keime dieser Art, z. B. Bakterien, inaktiviert werden. Die Einwirkzeiten beginnen meist bei einer Minute als kürzeste Einwirkzeit und können auch bei fünf Minuten als realistische praxisnahe Einwirkzeit liegen.

Was bedeutet der 1-Stunden-Wert?

Dr. Jan Schröder: Der 1-Stunden-Wert, der z. B. von dem VAH geprüft wird, ist eine klassische Einwirkzeit für den Routinefall. Wenn sich ein Anwender nicht sicher ist, welche Konzentration er einsetzen sollte, kann er sich an dem 1-Stunden-Wert orientieren, weil dieser die realen Bedingungen am besten widerspiegelt. Dieser Wert wurde auch in die aktuelle Biozidrichtlinie für bestimmte Bereiche aufgenommen.

Es werden auch immer noch Einwirkzeiten von vier Stunden empfohlen – wann kommen diese zum Einsatz?

Dr. Jan Schröder: Eine Einwirkzeit von vier Stunden ist der längste Wert, der noch angewendet wird und kommt in speziellen Situationen zur Anwendung: Dazu gehört die Abschlussdesinfektion nach RKI im Seuchenfall. Aber auch in der Routine, wenn abends bei Dienstschluss das Krankentransportfahrzeug oder Flächen in der Rettungsdienstwache desinfiziert werden, kommt der 4-Stunden-Wert zur Anwendung. Hier können dann entsprechend geringere Konzentrationen eingesetzt werden.

Wann und warum kann eine Fläche direkt nach der Auftrocknung des Flächen-Desinfektionsmittels wieder benutzt werden?

Flächendesinfektion bei einer Praxisliege

Dr. Jan Schröder: Zunächst einmal ist es wichtig, dass die zu desinfizierende Fläche mit dem Produkt vollständig benetzt und ausreichend feucht gehalten wird, damit auch tatsächlich jeder Keim auf der Fläche erreicht wird. Unter dieser Voraussetzung greifen die Desinfektionsmittel die Zellen der Erreger an. Wenn die Fläche dann anschließend trocknet, wirken die Desinfektionsmittel, die in Kontakt mit den Keimen gekommen sind, weiter. Die Ergebnisse des praxisnahen 4-Felder-Tests wie auch die Leitlinien sagen aus, dass Flächen nach Abtrocknung ohne Zugeständnisse an die Sicherheit wieder benutzt werden können. Es gibt aber auch hier Ausnahmen.

Welche wären die Ausnahmen?

Dr. Jan Schröder: Einwirkzeiten müssen beispielsweise bei der schon erwähnten Abschlussdesinfektion nach RKI vor der Wiederbenutzung eingehalten werden. Auch bei allen Flächendesinfektionen, die anschließend abgespült werden, z. B. vor dem Einlaufen von Badewasser oder vor dem Nachwischen im Lebensmittelbereich, müssen die Einwirkzeiten eingehalten werden. Andernfalls würde zu früh der Kontakt von Wirkstoff und Keimen unterbrochen werden.