bg-country-switch

Stationäre Pflege wächst weiter

Der Pflegemarkt ist wirtschaftlich erfolgreich und kann sich auch in den kommenden Jahren auf signifikantes Wachstum freuen. Das zeigt eine Untersuchung von Deloitte, RWI und hcb.

von der HARTMANN Online-Redaktion

Laut dem „Pflegeheim Rating Report 2017“, den das RWI-Leibnitz-Institut für Wirtschaftsordnung in Essen zusammen mit hcb Institute for Health Care Business und dem Wirtschaftprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte erstellte, ist die wirtschaftliche Situation der Pflegeheime in Deutschland gut. Nur 2 % der analysierten Pflegeheime besaßen eine erhöhte Insolvenzgefahr. 82 % befinden sich dagegen in guter finanzieller Lage. Das durchschnittliche Heim erwirtschaftete 2015 einen EBITDAR von 14 %.

Mit knapp 47 Mrd. Euro ist der Pflegemarkt (ambulant und stationär) der am stärksten wachsende Bereich im gesamten Gesundheitsmarkt. Für 2030 wird ein Marktvolumen auf über 66 Mrd. Euro prognostiziert. Ähnliche Zahlen zeigt die Studie „Wachstumsmotor Pflege“ der Unternehmensberatung Roland Berger. Nach ihr wächst seit 2005 der deutsche Pflegemarkt im Schnitt um knapp 5 % pro Jahr. Berger geht sogar davon aus, dass das Marktvolumen bis 2030 auf bis zum 85 Mrd. Euro steigen kann.

Das RWI prognostiziert, dass an dem Wachstum insbesondere die privaten Träger profitieren werden. Aktuell werden immer noch mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen (56,3 %) in einem Heim der freigemeinnützigen Trägerschaft versorgt. 37,7 % der Pflegebedürftigen wählen ein Heim in privater Trägerschaft. Der Anteil der Pflegebedürftigen in privaten Einrichtungen hat damit in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, denn 1999 lag er nur bei 25,4 %.

Die zunehmende Privatisierung der stationären und ambulanten Pflege hat in den vergangenen Monaten auch die gesundheitspolitische Diskussion erreicht. Gefragt wird hier, ob es richtig ist, dass private Investoren Gewinne im Pflegemarkt erwirtschaften dürfen und damit ihr Kapital verzinsen. Einige Stimmen halten das für „unethisch“, weil immerhin Gelder der Solidargemeinschaft, wie beispielsweise der Pflegeversicherung, in die Hände von Finanzinvestoren fallen. Es ist davon auszugehen, dass diese Diskussion im Laufe der nächsten Jahre an Brisanz gewinnen wird.