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Dr. Daniel Troncoso im Interview:

Von innen heraus: Mindset-Wandel für die Hygiene

Dr. Daniel Troncoso ist Hygieniker und koordinierender Präventionsarzt am Hospital Universitario Príncipe de Asturias, Spanien. Seit etwa 10 Jahren krempelt er dort die Hygiene grundlegend um, seit 2012 mit der Unterstützung von HARTMANN und dem IMPULSA-Plan. Seine Strategie: Der Mindset-Wandel von innen heraus. Wie er dazu vorging, verrät er im Interview.

von der HARTMANN Online-Redaktion 15.10.2018

Dr. Troncoso, als Sie Ihre Stelle am Hospital Universitario Príncipe de Asturias antraten – welcher Ausgangssituation mussten Sie sich stellen?

Dr. Daniel Troncoso rund
Dr. Daniel Troncoso verrät, wie er seine Kollegen zu einer besseren Händehygiene inspirierte.
Dr. Daniel Troncoso: Zwei Krankenschwestern und ich sind für Hygiene und Desinfektion in unserem gesamten Krankenhaus zuständig: Das sind 450 Patientenbetten und 2500 Mitarbeiter. Die Ausgangssituation war schwierig – den Mitarbeitern war gar nicht bewusst, wie wichtig die Händehygiene für den Patientenschutz ist. Auch das Verantwortungsgefühl fehlte: Sie brachten die mangelnde Händehygiene nicht mit den nosokomialen Infektionen der Patienten in Verbindung. Gleichzeitig waren auch alkoholische Händedesinfektionsmittel noch gar nicht etabliert. Wir hatten hier also mehrere Ansatzpunkte, denen wir uns widmen mussten. Die Umstellung vom Waschen mit Seife auf die alkoholische Händedesinfektion haben wir als erstes in Angriff genommen. Aufgrund der Produktqualität und der zusätzlichen Unterstützung folgte der Wechsel zu Sterillium. Dann begannen wir, neue Standards zu etablieren – doch die neuen Hygieneprotokolle stießen zunächst auf wenig Gegenliebe, denn häufigere Händedesinfektionen bedeuten natürlich auch ein gewisses Maß an Mehrarbeit für Schwestern, Pfleger und Ärzte. Wir mussten hier also ganz grundlegend ansetzen und das Mindset der Mitarbeiter und auch der Klinikleitung nach und nach verändern.

Wie haben Sie es geschafft, die Mitarbeiter von der Notwendigkeit einer besseren Händehygiene zu überzeugen?

Dr. Troncoso: Wir haben uns Schritt für Schritt vorgetastet: In kleineren und sehr spezialisierten Abteilungen, beispielsweise einer Intensivstation, sind die Hierarchien flacher und die Kommunikation untereinander direkter. Hier war es einfacher, neue Methoden zu etablieren – wie zum Beispiel den Einsatz alkoholischer Hände-Desinfektionsmittel und neuer Hygieneprotokolle. Die Erfolge, die diese Stationen damit erzielten, machten wiederum die Kollegen anderer Abteilungen neugierig – und damit empfänglicher für unseren Input. Das kann man schon beinahe als Kettenreaktion bezeichnen, was wir da beobachten konnten: Nicht wir, als Außenstehende, trieben die Händehygiene voran, sondern vor allem die Mitarbeiter, die untereinander zum Beispiel die Vorteile der alkoholischen Händedesinfektion diskutierten – nämlich Zeitersparnis gegenüber dem Waschen, Hautfreundlichkeit und natürlich auch der bessere Patientenschutz. Die Mitarbeiter kamen daraufhin auf uns zu und wollten von sich aus mehr über Hygiene lernen. So hatten wir es wesentlich einfacher, die Händehygiene nach und nach in allen Stationen zu thematisieren und damit zu verbessern.

Welche Rolle spielte der IMPULSA-Plan bei diesem Wandel?

Dr. Troncoso, Javier Rodriguez, Ricars Serra
Austausch von Erfahrungen und Praxis-Einblicken: Dr. Daniel Troncoso (Hospital Universitario Príncipe de Asturias, Spanien), Javier Rodriguez (HARTMANN Spanien), Ricard Serra (Geschäftsbereich Desinfektion der HARTMANN GRUPPE).

Dr. Troncoso: Wir haben in HARTMANN einen wirklich hilfreichen Partner gefunden, denn das multimodale Programm IMPULSA ermöglichte es uns, den Stein erst wirklich ins Rollen zu bringen – der Begriff „impulsar“ steht nämlich auch für „nach vorn bringen“. Mit dem Plan erhielten wir einen Rahmen und auch wichtige Tools. Teile des Programms waren beispielsweise Schulungen und E-Learning-Programme, die uns unterstützten, fundiert und gezielt die wichtigsten Grundlagen der Händehygiene zu vermitteln. Unter anderem die korrekte Technik und die richtigen Indikationen. Damit konnten wir endlich alle Mitarbeiter ansprechen – auch die, die durch das Schichtsystem nachts oder am Wochenende arbeiten und daher vorher kaum zu erreichen waren.

Später kam auch die Observe-Applikation hinzu, die die Compliance-Beobachtung nicht nur vereinfachte, sondern auch zu einer positiveren Erfahrung für die Mitarbeiter machte. Wir konnten so zum ersten Mal die individuellen Risikofaktoren und Compliance-Hürden auf den Stationen identifizieren und gezielt angehen. Für die Belegschaft wirkt die Erfassung der Händehygiene-Compliance mittels Tablet außerdem weniger wie ein Kontrollinstrument, sondern eher wie eine positive Unterstützung. Es ermöglicht uns außerdem direktes Feedback zu geben, das die Mitarbeiter zusätzlich motiviert und gut angenommen wird. Mittlerweile kann man sogar regelrechte Wettbewerbe zwischen den Stationen beobachten – wessen Händehygiene-Compliance ist besser? Wir beobachten da eine sehr positive Entwicklung: Anstatt einer zusätzlichen Bürde betrachten die Mitarbeiter unsere Maßnahmen als Herausforderung und zeigen großes Interesse daran, sich kontinuierlich zu verbessern.

Bei so einem Großprojekt ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen – auch die Klinikleitung. Wie haben Sie die Management-Ebene mit ins Boot geholt?

Dr. Troncoso: Die Klinikleitung hat natürlich ganz eigene Zielvorgaben und Anliegen – hier spielt unter anderem die Wirtschaftlichkeit eine große Rolle. Da waren harte Fakten gefragt, die belegen, dass sich die Investition in eine bessere Händehygiene langfristig lohnt – beispielsweise durch eine Reduktion der nosokomialen Infektionen. Denn das spart der Klinik letztendlich bares Geld und wirkt sich außerdem positiv auf das Image aus. Nach und nach konnten wir das Bewusstsein für die Hygiene steigern und auch mit konkreten Zahlen überzeugen: Denn die Daten, die wir mit Observe in unserer Klinik generieren, visualisieren unsere Erfolge auf den Stationen und belegen den Nutzen unserer Bemühungen – und der Investitionen der Klinikleitung. So konnten wir die Händehygiene-Compliance bei Ärzten beispielsweise um 35 % steigern. Das ist eine Zahl, die auch die Klinikleitung überzeugt.

Quelle: Desinfacts, Ausgabe 1-2018