13. Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen:

Mit Zielsetzung und Autopilot
die Händehygiene verbessern

Das diesjährige Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen war ein voller Erfolg – auch für HARTMANN. Ein besonderes Highlight: Das Lunchsymposium mit dem Vortrag von Dr. Svenja Diefenbacher, Universität Ulm, zum Thema „Psychologie in der Händehygiene“.

von der HARTMANN Online-Redaktion 08.04.2019
Hand hält Tablett mit Ulmer Symposium App
Als die Kongressteilnehmer am Donnerstag, den 28. März 2019, mittags in den Kepler Saal des Ulmer Maritim Hotels zum Symposium von HARTMANN strömten, staunten viele nicht schlecht. Bekamen sie doch gleich zur Begrüßung im Saal ein Tablet ausgehändigt. Der Grund: Mit dem speziell programmierten Tablet erhielt das Publikum die Möglichkeit, direkt über im Vortrag gestellte Fragen abzustimmen oder eigene Fragen an die Referentin zu richten. Dass diese Idee aufging, zeigte die rege Beteiligung der insgesamt rund 200 Teilnehmer.  

Psychologie in der Händehygiene

Tagungsraum Ulmer Symsposium 2019 mit Teilnehmern von hinten und Referentin
Im Fokus des Vortrags „Psychologie der Händehygiene“ von Dr. Svenja Diefenbacher stand dabei die Frage, inwieweit bestimmte sozialpsychologische Faktoren die Händehygiene beeinflussen können. Als zentrale Aspekte beleuchtete die Expertin die Einflussfaktoren Zielsetzung, Feedback und Gewohnheit.  

Basis des Vortrags bildete eine von Diefenbacher und Kollegen durchgeführte Studie [1]. Das Besondere: Erstmals wurden hier die sozialpsychologischen Aspekte Feedback und konkrete Zielsetzungen bei der Händehygiene zusammengeführt. Der Faktor Feedback bezeichnet in diesem Zusammenhang die Rückmeldung zum Händehygiene-Verhalten der Krankenhaus-Mitarbeiter. Als Zielsetzung definierten die Forscher das Compliance-Ziel, das die Mitarbeiter bei der Händehygiene gemeinsam festlegten.

Dazu untersuchte die 4-armige Studie, wie sich die Faktoren Feedback und Zielsetzung einmal einzeln und einmal in Kombination auf die Händedesinfektion bei den Krankenhaus-Mitarbeitern auswirkten. Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe hinzugezogen.

Das Ergebnis: Die Verbindung von Feedback und Zielsetzung erwies sich als die beste Intervention, um die Häufigkeit der Händedesinfektion zu erhöhen. Tatsächlich stieg die Zahl der Händedesinfektionen je Spender und Zimmer signifikant von 7,9 auf 17,0 an. Die Händehygiene blieb auch 4 Wochen später auf einem deutlich erhöhten Niveau.

Autopilot für die Händehygiene

Messestandt Ulmer Symposium 2019
Zusätzlich nahm Dr. Svenja Diefenbacher ein weiteres sozialpsychologisches Phänomen ins Visier: die Gewohnheit. Als Ursache von Verhalten in bestimmten Situationen birgt die Gewohnheit ebenfalls ein großes Potenzial für eine bessere Händehygiene. Denn: Gelänge es die Händehygiene als Gewohnheit zu etablieren, könnte die Ausführung automatisiert und dadurch leichter in Arbeitsabläufe übernommen werden. Die Händehygiene könnte dann in den erforderlichen Momenten automatisch durchgeführt werden, ohne kognitive Anstrengung – wie im Autopilot.

Diese Idee faszinierte das Publikum und zog zahlreiche Fragen nach sich. So wollten die Teilnehmer u. a. gerne erfahren, wie man eine Handlung wie die Händedesinfektion zur Gewohnheit macht oder wie lange es dauert bis eine Gewohnheit, ein Autopilot, in der Händehygiene entsteht. Fragen, bei denen die sozialpsychologische Forschung noch am Anfang steht, wie Dr. Svenja Diefenbacher betonte. Dass das Thema für viele Hygieneverantwortliche hochaktuell ist, zeigte sich nicht zuletzt daran, dass die Gespräche und Diskussionen zu den sozialpsychologischen Faktoren auch noch am HARTMANN-Stand fortgeführt wurden.
Quelle:
1. Diefenbacher, S., Fliss, P., Tatzel, J., Wenk, J. & Keller, J. (in press). A quasi-randomized controlled before-after study using performance feedback and goal setting as elements of hand hygiene promotion. Journal of Hospital Infections. April 2019Volume 101, Issue 4, Pages 399–407.