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Damals & heute

Wie ein ungarischer Mediziner Mütter auf der ganzen Welt rettete

1847 wurde Ignaz Semmelweis Idee in medizinischen Fachkreisen abgelehnt. Heute ist er bekannt als der „Retter der Mütter“. Mit seiner Arbeit legte er den Grundstein für die moderne Krankenhaushygiene und Antisepsis.

Historical portrait of Dr Ignaz Semmelweis
Dr. Ignaz Semmelweis
1847 brauchte man am Wiener Allgemeinen Krankenhaus bloß einige Minuten, um über die Flure vom Pathologiesaal zur neuen Geburtshilfestation zu gelangen – und doch lagen Welten zwischen diesen beiden Orten. Diese kurze Distanz trennte Leben von Tod und Gesundheit von Krankheit. Und die Ärzte und Studenten, die hier arbeiteten und ausgebildet wurden, waren täglich hin- und hergerissen zwischen den Todesfällen, deren Ursache sie untersuchen mussten, und dem neuen Leben, das sie auf die Welt brachten. Doch dem jungen Assistenzarzt Dr. Semmelweis wollte dieser Gegensatz nicht einleuchten. Die hohe Erkrankungsrate an Kindbettfieber und die Todesfälle in der neuen Geburtshilfestation ließen ihm keine Ruhe. Die Sterblichkeitsrate der Mütter lag durchschnittlich bei 10 %, in Spitzenzeiten sogar bei 30 %. Dr. Semmelweis war überzeugt, dass es hier einen Zusammenhang geben musste. Vor allem gab ihm zu denken, dass die Sterblichkeitsrate in der anderen Geburtshilfestation des Krankenhauses deutlich niedriger war.

Dr. Ignaz Semmelweis vermutete, dass an den Händen von Ärzten und Krankenhauspersonal Keime aus der Pathologie hafteten, die unbewusst in die neue Geburtshilfestation getragen wurden und dort bei den Müttern postnatale Infektionen verursachten. Ihm standen keine wissenschaftlichen Methoden zur Verfügung, um seine These zu beweisen, weshalb er ein einfaches Experiment durchführte. Er stellte zwischen der Pathologie und der Geburtshilfestation eine Schüssel mit Chlorkalklösung auf und bat seine Kollegen, sich darin jedes Mal die Hände zu waschen, wenn sie zwischen den beiden Bereichen des Krankenhauses wechselten. Die Ergebnisse waren eindeutig und von enormer Wirkung. Die Sterblichkeitsrate fiel auf nur noch 0,3 %. In einigen Monaten traten sogar gar keine Todesfälle auf.

Ein Mann schwimmt gegen den Strom 

Dr Küenburg and Prof Pittet at the Semmelweis conference in 2017.
Dr. Küenburg (links) und Prof. Didier Pittet bei der letzten Semmelweis-Konferenz in Budapest
Heute gilt Dr. Semmelweis in medizinischen Fachkreisen als der „Retter der Mütter“. Doch zu seinen Lebzeiten waren die Reaktionen seiner Zeitgenossen keineswegs nur positiv. Dr. Bernhard Küenburg, Vorsitzender der Dr. Ignaz Semmelweis Gesellschaft, berichtet: „Natürlich hatte er Anhänger, die man heute als Early Adopters bezeichnen würde. Doch es gab auch Kollegen, die ihn öffentlich kritisierten – und insgeheim die Händedesinfektion auf ihren Stationen einführten. Viele sogenannte Fachleute stemmten sich gegen seine Erkenntnisse und das Wiener Allgemeine Krankenhaus lehnte schließlich eine Verlängerung seiner Assistenzarzt-Tätigkeit ab.“

Semmelweis kehrte in seine ungarische Heimat zurück, wo er in zwei Budapester Krankenhäusern die Händedesinfektion einführte – mit gleichem Erfolg. Als die Angriffe von Kollegen nicht enden wollten, reagierte er mit offenen Briefen, in denen er sie für den Tod von Frauen und Kindern verantwortlich machte. Schließlich wurde er zwangsweise in eine Irrenanstalt eingewiesen, wo er wenig später unter mysteriösen Umständen starb.

Doch sein Erbe lebt heute in allen medizinischen Einrichtungen weltweit fort. Dr. Küenburg betont: „Semmelweis legte mit seiner Arbeit den Grundstein für die moderne Krankenhaushygiene und Antiseptik. Vor 1847 war nicht einmal klar, dass die meisten Infektionen durch die Hände des Krankenhauspersonals verursacht wurden. Semmelweis schuf nicht nur die Grundlagen der Händehygiene, sondern war auch einer der ersten, der seine Thesen durch klinische Evidenz stützten. Dass sich damals die Antiseptik ausgehend von Österreich und Ungarn nicht allgemein durchsetzte, ist ausschließlich seinen Feinden anzulasten.“

Erst Jahrzehnte später wurde Semmelweis Ruf allmählich wiederhergestellt, als Lister unter dem Mikroskop die Existenz von Krankheitserregern nachweisen konnte. Kurze Zeit später folgten Pasteur und Koch mit ihren bahnbrechenden Arbeiten zur Keimtheorie als Ursache von Krankheiten. Damit stand es schließlich fest. Dr. Semmelweis war kein „Quacksalber“, sondern ein Visionär. Mittlerweile hat sich der Begriff „Semmelweis-Reflex“ etabliert. Er bezeichnet die quasi reflexhafte Ablehnung neuer Erkenntnisse, weil diese weitverbreiteten Normen oder Überzeugungen widersprechen.

Semmelweis‘ Erbe wird weitergeführt

Group picture of the participants of the last Semmelweis conference in 2017.
Teilnehmer der letzten Semmelweis-Konferenz in Budapest im März 2017.

Heute fühlt sich die Semmelweis Gesellschaft dem Erbe und Andenken des visionären Arztes verpflichtet. Dr. Küenburg erklärt: „Unser Hauptanliegen besteht darin, in der Öffentlichkeit und der medizinischen Fachwelt das Bewusstsein für nosokomiale Infektionen und Händehygiene zu erhöhen – und damit zu mehr Sicherheit in Krankenhäusern und weniger Infektionen beizutragen.“ Die Semmelweis Gesellschaft arbeitet eng mit der WHO zusammen und organisiert eine Fachkonferenz, die den Austausch zwischen Medizinern aus Mittel- und Osteuropa und ihren internationalen Kollegen fördern soll. „Dadurch hoffen wir, das Thema Hygiene weiter voran zu treiben. Bei der letzten Semmelweis Konferenz war beispielsweise Prof. Didier Pittet zu Gast, der innerhalb der WHO eine weltweite Kampagne vorantreibt, um die alkoholische Händedesinfektion als internationalen Standard zu etablieren.“

2018 begehen wir den 200. Geburtstag von Dr. Semmelweis im ungarischen Buda. Gleichzeitig feiert die HARTMANN-Niederlassung in Ungarn ihr 20-jähriges Jubiläum. Wie Verkaufsleiter Alíz Benko betont, ist Semmelweis nicht vergessen. Ungarn erinnert jedes Jahr feierlich an seinen Geburtstag und mehrere Universitäten und Hochschulen tragen seinen Namen – wie auch zahlreiche Konferenzen.

In Ungarn sind ähnlich wie in anderen Ländern die Vorteile der Händehygiene zwar bekannt, doch ihre optimale Umsetzung scheitert oft an einem überlasteten Gesundheitssystem. Hier will HARTMANN Abhilfe schaffen. Alíz Benko erläutert: „Unser Evolutionskonzept zur Händehygiene passt hervorragend zu Regierungsinitiativen, wie etwa der Verordnung EFOP-2.2.18-17, deren Ziel umfassende Infrastrukturverbesserungen im Gesundheitssystem sind. Das Konzept hilft Krankenhäusern, Programme zur Verbesserung der Händehygiene umzusetzen, die Compliance der Angehörigen der Gesundheitsberufe zu steigern und damit letztlich die Sicherheit der Patienten zu verbessern.“ Das Unternehmen arbeitet auch mit der Firma Hand-in-Scan zusammen, die ein Gerät anbietet, mit dem sich überprüfen lässt, wie gut die Hände desinfiziert wurden. Dieses Gerät heißt „Semmelweis-Scanner“. Dr. Semmelweis würde das ganz bestimmt gefallen.

Über HARTMANNs 200-jähriges Jubiläum

2018 feiert HARTMANN sein 200-jähriges Jubiläum. Bereits heute starten wir mit dem Countdown zu den offiziellen Feierlichkeiten im Juni 2018. Erfahren Sie in unseren Geschichten, wie unsere Mitarbeiter und Partner dazu beitragen, das Gesundheitswesen voranzubringen und welche Trends und Themen die Gesundheitssysteme bewegen, für die wir uns einsetzen.

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2018 feiert HARTMANN sein 200-jähriges Jubiläum. Bereits 2017 starteten wir mit dem Countdown zu den offiziellen Feierlichkeiten im Juni 2018. Erfahren Sie in unseren Geschichten, wie unsere Mitarbeiter und Partner dazu beitragen, das Gesundheitswesen voranzubringen und welche Trends und Themen die Gesundheitssysteme bewegen, für die wir uns einsetzen.