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Bei HARTMANN

Perspektiven aus Nepal

Auch wenn sich die nepalesische Kultur, Traditionen und Lebensweise stark von seiner eigenen unterscheidet, hat Ralf Ledl eine Gemeinsamkeit entdeckt: das Ziel, so gut es geht zu leben.

Ich bin seit 2011 bei HARTMANN und dort im IT-Bereich tätig. Als Mitarbeiter eines globalen Gesundheitsunternehmens spielt Gesundheit für mich also eine wichtige Rolle. Vor allem in jungen Jahren nimmt man die Gesundheit gerne als selbstverständlich hin; zumindest so lange man gesund ist. Man geht arbeiten, kommt für seinen Lebensunterhalt auf, zahlt Versicherungsbeiträge ein und nimmt Gesundheitsleistungen in Anspruch. Dass das aber nicht immer und überall auf der Welt so ist, gerät schnell in Vergessenheit – auch für mich.

2016 trat ich mein Sabbatjahr an. In der Vorbereitung gab ich mir das Ziel, alte Denkweisen und Gewohnheiten zu durchbrechen. Ich suchte nach neuen Herausforderungen, die mich an meine Grenzen bringen und zwingen sollten, einen neuen Blick auf mein Leben zu werfen: ursprünglich wollte ich niemals in ein Land reisen, dessen Sprache ich nicht spreche. Religion hielt ich für unwichtig. Meditation und Spiritualität waren für mich esoterischer Kram. Warum sollte ich eine Region zur Regenzeit bereisen, wo doch die Sonne woanders scheint? Und genau das war der Punkt: weil ich es noch nie getan hatte! Und so fiel meine Wahl auf Nepal. Für mich eine echte Herausforderung.

A Sadhu ("holy man") in the Banaprast, the last, and at times strictly ascetic, stage of life of a Hindu.

Perspektiven aus Nepal

Am Himalaya gelegen, besticht Nepal durch seine unbeschreibliche Natur und die atemberaubenden Bergpanoramen. Gleichzeitig zählt Nepal zu den ärmsten Staaten der Welt. Die medizinische Versorgung ist dort, besonders im ländlichen Raum, mangelhaft. Nur ein geringer Teil der Bevölkerung hat überhaupt Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten. Erschwert wurde die Situation durch die starken Erdbeben 2015, welche viele „Health Posts“ zerstörten. Hier erhielten die Menschen bis dahin zumindest eine medizinische Grundversorgung durch geschulte Hilfsassistenten. Meine Zweifel, in eine Erdbebenregion zu reisen, fielen schnell von mir ab: denn genau dort ist Hilfe am allernötigsten.

In Nepal kommt das starke Gefälle zwischen Stadt- und Landregionen erschwerend hinzu. Große Unterschiede gibt es beim Wohlstand, der Bildung und der Infrastruktur. Während in der Hauptstadt Kathmandu 850 Einwohner auf einen Arzt kommen, sind es auf dem Land ca. 150.000 Einwohner auf nur einen Arzt. Viele Nepalesen müssen einen mehrtätigen Fußmarsch auf sich nehmen, wenn sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen wollen. Für einen Transport per Ambulanz oder gar Hubschrauber verschulden sie sich und ihre Angehörigen oft über Jahrzehnte hinweg.

Vor allem Menschen ohne eigenes Einkommen haben keinen Zugang zu medizinsicher Versorgung. Es gibt keine Krankenversicherung. Jede Behandlung ist kostenpflichtig und muss im Voraus bezahlt werden. Es ist daher wenig überraschend, dass die durchschnittliche Lebenserwartung vor 10 Jahren bei gerade einmal 67 Jahren lag. Mittlerweile liegt sie bei 68 (Männer) bzw. 71 (Frauen) Jahren. Und dennoch: trotz der schwierigen Lebensumstände strahlen die Menschen eine Lebensfreude und Herzlichkeit aus, wie man sie nur selten antrifft. Ich war überrascht, wie offen und gastfreundlich die Leute waren, die ich traf. Mir wurde schnell klar, dass man mit nur kleinen Hilfestellungen bereits viel erreichen kann, um den Menschen zu helfen. Und so war der Gedanke geboren, mein eigenes Projekt in Nepal zu starten.


Interaktiver Computerunterricht in Gaujini, 40 Kilometer nordöstlich von Kathmandu am Nordrand des Shivapuri Nagarjun National Park.

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Probleme in Nepal sind vielschichtig, komplex und nicht selten tief in der Kultur und den Bräuchen verwurzelt. Es ist aber möglich, mit den Menschen vor Ort Perspektiven und Wege zu erarbeiten, die mit wenig Mitteln viel im Leben der Einheimischen bewegen können. Genau diese Erkenntnis motivierte mich. Mit Unterstützern aus Neresheim, Ellwangen und Aalen gründete ich im Oktober 2017 den gemeinnützigen Verein „Menschen im Dialog e.V.“. Unser Ziel: in Zusammenarbeit mit Partnervereinen vor Ort sowie kooperierenden Organisationen aus Deutschland und Österreich, den Lebensstandard und die Gesundheitsversorgung der Menschen in Nepal durch gezielte Projekte zu verbessern. Stets mit dem Gedanken der Hilfe zur Selbsthilfe verbunden. Schwerpunkte dieser Projekte sind die Bildungsförderung, die Gesundheitsförderung sowie die Völkerverständigung.

Bildung ist der Schlüsselfaktor zur Armutsbewältigung und damit auch langfristig zur Gesundheitsförderung. Hier spielt der Zugang zu modernen Lehrmittel wie beispielsweise Computern eine wichtige Rolle – dieser ist aber vor allem im ländlichen Raum selten gegeben. Indem wir Computer beschaffen, Kurse organisieren und Lehrpersonal ausbilden, schaffen wir neue Perspektiven für Menschen. Im November 2018 setzen wir das nächste Computerprojekt in der Shree Buddha Secondary School in Philim um, einem Bergdorf in der Manaslu Region. Die Schule ist eine der größten in der Region, wodurch wir mit dem Projekt rund 400 Schüler erreichen werden.

Auch die Gesundheitsförderung steht im Zentrum unserer Arbeit in Nepal. Wir setzen uns dafür ein, dass auch in abgelegenen Regionen medizinische Bedürfnisse abgedeckt werden. Für 2019 planen wir ein Health-Camp, das die medizinische Versorgung durch die Unterstützung von nepalesischen Ärzten und Sanitätern verbessern soll. Bei jedem weiteren Einsatz kommen neue Kontakte, Erkenntnisse und Ideen auf, die wir umsetzen möchten. Die Planung ist noch lange nicht zu Ende.


Durch lautes Klopfen an meine Hütte werde ich geweckt: „Sir, Computer-Class, Sir!“. Die Schüler sind voller Begeisterung dabei – eine schöne Bestätigung.

Brücken schlagen – Völker verbinden

Jeder weitere Besuch in Nepal lässt mich erstaunen. Ich bin sprachlos über die Menschen in Nepal und ihre Geschichten, ihren Mut und ihre Lebensfreude. Sie öffnen mir jedes Mal wieder die Augen dafür, was Gesundheit, Glück und Zufriedenheit ausmacht. Und dass es mehrere Wege gibt, Glück zu finden. Um diese Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, habe ich im April 2018 einen Bildband mit dem Titel „Perspektiven aus Nepal“ veröffentlicht. Nepalesische Freunde berichten darin hautnah über ihren Alltag, ihre Kultur und Bräuche und das damit einhergehende Lebensverständnis. Die Geschichten werden ergänzt durch Bilder, welche innerhalb von vier Nepalreisen entstanden sind. Neben der finanziellen Unterstützung der sozialen Projekte durch den Buchverkauf, möchte ich damit vor allem eines erreichen: Die nepalesische Kultur greifbar, nachvollziehbar und authentisch vermitteln und damit Verständnis schaffen für mehr Toleranz und Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen. Denn obwohl die Kulturen, Bräuche und Lebensweisen unterschiedlicher nicht sein könnten, so haben wir doch alle das gleiche Ziel vor Augen: Leben, so gut es geht!


Über HARTMANNs 200-jähriges Jubiläum

2018 feiert HARTMANN sein 200-jähriges Jubiläum. Bereits 2017 starteten wir mit dem Countdown zu den offiziellen Feierlichkeiten im Juni 2018. Erfahren Sie in unseren Geschichten, wie unsere Mitarbeiter und Partner dazu beitragen, das Gesundheitswesen voranzubringen und welche Trends und Themen die Gesundheitssysteme bewegen, für die wir uns einsetzen.