WundForum 1/2019

Händehygiene ist wichtig, aber allein nicht aus- reichend. Denn die patienten- bzw. bewohnernahen Flächen oder Flächen mit häufigem Händekontakt sind oft durch diesen Kontakt oder Tröpfchen mit nosokomialen Infektionserregern behaftet. Je nach Risikobereich ist daher eine gezielte und wirksame Flächendesinfektion ein wichtiger Baustein der Infektionsprävention. Die Flächendesinfektion ist definiert als Verfahren zur Inaktivierung von Erregern auf unbelebten Ober- flächen. Die Häufigkeit und der Umfang der Des- infektion sind dabei abhängig vom Risikopotenzial. Als Verfahren zur Flächendesinfektion lassen sich unterscheiden: 7 7 Routinedesinfektion (auch: prophylaktische Desinfektion) 7 7 Schlussdesinfektion (auch: Abschlussdesinfektion) 7 7 Desinfektion im Ausbruchsfall 7 7 Desinfektion bei behördlich angeordneter Entseu- chung (auch: Seuchenfall) 7 7 Gezielte Desinfektion bei erkennbar kontaminier- ten Flächen Mit der aktuellen S1-Leitlinie „Hygienische Anfor- derungen an Hausreinigung und Flächendesin- fektion“ liefert der Arbeitskreis „Krankenhaus- & Praxishygiene“ der AWMF ( A rbeitsgemeinschaft der W issenschaftlichen M edizinischen F achgesellschaft e. V.) wichtige Eckpunkte für die Umsetzung der Flächenhygiene. Gezielt und routinemäßig: Flächendesinfektion richtig durchführen Durch die indikationsgerechte Flächendesinfektion werden Keime zuverlässig abgetötet. Diese umfasst die routinemäßige Desinfektion patientennaher und -ferner Flächen mit häufigem Haut- bzw. Handkon- takt. Ist eine Fläche mit Blut, Sekret oder anderen Körperflüssigkeiten kontaminiert, erfolgt zusätzlich eine gezielte Desinfektion. Die Verunreinigung wird mit einem mit Desinfektionsmittel getränkten Tuch entfernt, im Anschluss erfolgt die Desinfektion der gesamten Fläche. Dabei sollten Produkte und Wirksamkeit stets der Situation angemessen sein. Bei gezielten Desinfektio- nen oder der Schlussdesinfektion, beispielsweise bei Auftreten von Mykobakterien, können daher höhere Desinfektionsmittel-Konzentrationen oder andere Produkte zum Einsatz kommen als routinemäßig üblich. Grundsätzlich sollte ein Desinfektionsmittel mit breitem Wirkungsspektrum verwendet werden. Die richtige Dosierung der Lösung beugt zudem der Selektion von desinfektionsmitteltoleranten bzw. -resistenten Bakterien vor. Reinigung: Detergenzien inaktivieren Erreger unzureichend Reinigungsverfahren allein sind nicht ausreichend, um Mikroorganismen auf Oberflächen abzutöten. So werden Verschmutzungen zwar entfernt, aber pathogene Keime können auf den Oberflächen ver- bleiben und z. B. durch Handkontakt weiterverbreitet werden. Überdies können Reiniger unbehüllte Viren sogar stabilisieren und die Bildung von Bakterien- sporen begünstigen. Gelangen die Erreger ins Reini- gungswasser, werden mit jedem Wisch neue Ober- flächen kontaminiert. Voraussetzungen für den sicheren Einsatz von Tuchspendersystemen 7 7 Desinfektionsmittel-Dosiergeräte und -Lösungen in Spendersystemen werden regelmäßig mikrobio- logisch kontrolliert. Quelle: Empfehlungen des Arbeitskrei- ses Krankenhaus- und Praxishygi- ene der AWMF. Hygienische An- forderungen an Hausreinigung und Flächen- desinfektion. AWMF-Register Nr. 029/030. S1-Leitlinie. Hyg- Med 2015; 40 (10):418-421 Flächen sicher desinfizieren Die Flächenhygiene zählt zu den essen- ziellsten Maßnahmen, um indirekten Kontaktinfektionen vorzubeugen. Sie bildet damit einen elementaren Bestand- teil des Patienten-, Bewohner- und Personalschutzes. Medizin & Pflege 20 HARTMANN WundForum 1/2019

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