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Harninkontinenz

Männer kommen mit neuer Lebenssituation besser zurecht als Frauen

Mehr als 1 Million Erwachsene in Österreich leiden unter Harninkontinenz. Frauen sind dabei häufiger betroffen als Männer – sie bilden mit einem Anteil von bis zu 85 Prozent die deutliche Mehrheit. Das hat vor allem einen Grund: Schwangerschaften und Geburten schwächen ihre Beckenbodenmuskulatur, die als Folge ihre Stützfunktion nicht mehr erfüllen kann.

Bei Frauen führt Niesen, Husten, Laufen oder Hüpfen oft zu einem unkontrollierten Abgang von Urin, auch Stress- oder Belastungsinkontinenz genannt. Frauen sind davon mit bis zu 68 Prozent etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Männer hingegen leiden häufiger an einer Dranginkontinenz und müssen ohne erkennbaren Auslöser sehr plötzlich auf die Toilette. In Deutschland betrifft dies mit 55 Prozent beinahe dreimal so viele Männer wie Frauen (20 Prozent).

Frauen vermeiden wegen Inkontinenz häufiger Aktivitäten als Männer

„Es erstaunt nicht, dass insbesondere Frauen, die häufiger unter Stressinkontinenz leiden, bestimmte Situationen meiden, vor allem Schwimmbadbesuche, Strandaufenthalte oder sportliche Aktivitäten“, sagt Robin Bähr, Marketingleiter Inkontinenz bei HARTMANN. Auch bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sind betroffene Frauen (15 Prozent) vorsichtiger als Männer (10 Prozent). Nicht zuletzt scheint eine Harninkontinenz bei Frauen das Liebesleben nachhaltiger zu beeinträchtigen: 23 Prozent der Frauen geben an, Sex zu vermeiden, aber nur 14 Prozent der Männer.

Betroffene können das Leben nicht mehr richtig genießen

Insgesamt geben 74 Prozent beider Geschlechter in Deutschland an, dass die Harninkontinenz ihr tägliches Leben allgemein einschränkt, und bei neun von zehn Betroffenen überwiegen negative Gefühle, wenn sie erste Symptome bei sich feststellen (89 Prozent). So gibt etwa ein Drittel der Frauen und Männer an, dass die Diagnose ganz allgemein ihr Selbstbewusstsein beeinträchtigt, und fast die Hälfte der Frauen und Männer fühlt sich alt.

Viele glauben, die Inkontinenz verschwindet wieder

Tritt eine Harninkontinenz auf, denken zunächst beinahe 60 Prozent der deutschen Frauen und Männer, dass sie vorübergehend ist und von selbst wieder nachlässt. Frauen scheinen sich jedoch schneller mit der Diagnose abzufinden als Männer: Während 52 Prozent der Männer lange Zeit dafür brauchen, sie zu akzeptieren, sind es bei den Frauen 45 Prozent.

Männer reden offener innerhalb der Partnerschaft als Frauen

Die Studie deckt einen interessanten Geschlechterunterschied beim Thema Partnerschaft auf. So haben 43 Prozent der in einer Beziehung lebenden Frauen in Deutschland noch nie mit ihrem Partner über ihr Dilemma gesprochen, wohingegen sich Männer deutlich offener zeigen (33 Prozent). Frauen scheinen sich eher Freunden (37 Prozent) oder anderen Personen (40 Prozent), die von Harninkontinenz betroffen sind, anzuvertrauen als Männer (20 bzw. 18 Prozent). Als Grund dafür, dass sie das Thema Harninkontinenz noch nie innerhalb der Partnerschaft angesprochen haben, nennen 55 Prozent der Frauen, aber nur 40 Prozent der Männer, dass es ihnen peinlich ist.

Mit Inkontinenz ein normales Leben führen

Eine erfreuliche Nachricht: Jeweils mehr als 80 Prozent der Frauen und Männer in Deutschland lernt nach einer Weile mit ihrer Harninkontinenz umzugehen. Wie Robin Bähr jedoch festhält, würde mehr Offenheit im Umgang mit dem Thema sowohl Frauen als auch Männern entscheidend dabei helfen, auch mit Inkontinenz ein normales Leben zu führen. So wünschen sich jeweils knapp drei Viertel der deutschen Frauen und Männer eine umfassendere Aufklärung.