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Harninkontinenz

Menschen in Europa gehen unterschiedlich damit um

Inkontinenz ist ein Tabu. Auch in anderen Staaten wird das Thema oft verschwiegen, jedoch gehen die Menschen unterschiedlich damit um. Eben: „Andere Länder, andere Sitten“. Oft liegt es an unterschiedlichen gesellschaftlichen Normen, wie betroffene Frauen und Männer in den einzelnen Ländern mit den Beschwerden zurechtkommen.

Franzosen und Deutsche leiden am stärksten unter Inkontinenz

Eines ist allen Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern gemein: Harninkontinenz hat einen bedeutenden Einfluss auf ihr tägliches Leben und vor allem auf ihr seelisches Wohlbefinden. Etwas mehr als zwei Drittel aller Befragten geben an, dass sie sich im täglichen Leben beeinträchtigt fühlen. Besonders stark leiden Deutsche und Franzosen darunter; am wenigsten eingeschränkt hingegen fühlen sich die Schweizer.

Die Eidgenossen akzeptieren die Situation am ehesten

Aus dem Gefühl der Beeinträchtigung heraus entstehen verschiedene belastende Emotionen, wie etwa Scham, Sorge und Unsicherheit. Scham als vorherrschendes Gefühl ist bei den Franzosen besonders ausgeprägt – in Spanien ist der Anteil nur etwa halb so groß. In Spanien machen sich europaweit am meisten Betroffene Sorgen. Unsicherheit verspüren vor allem Deutsche und Spanier. Am pragmatischsten scheinen die Schweizer mit ihrer Situation umzugehen: Mit 28 Prozent ist der Anteil derer, welche die Inkontinenz akzeptieren, deutlich höher als in den anderen untersuchten Ländern.

Einschränkungen bei Freizeitaktivitäten

Wenn eine Harninkontinenz neu auftritt, erleidet das Selbstvertrauen der Betroffenen nicht selten einen Knacks. Beinahe die Hälfte aller Befragten gibt an, sich aufgrund der Harninkontinenz alt zu fühlen. Während dies in Frankreich und Deutschland viele Betroffene so empfinden, denken lediglich 38 Prozent der Schweizer so. Die Betroffenen aller untersuchten Länder schränken sich aufgrund ihrer Harninkontinenz in Freizeit und Sozialleben erheblich ein. Am häufigsten verzichten sie auf Sport; dies trifft auf fast die Hälfte aller Befragten zu. Am zweithäufigsten wird der Verzicht auf Fernreisen genannt (40 Prozent) – jeder Vierte vermeidet sogar jeglichen Urlaub. Interessant ist dabei wie die Befragten mit ihrer Inkontinenz in der Öffentlichkeit umgehen: Über 80 Prozent haben Extra-Unterwäsche dabei oder ändern ihre Ernährungsgewohnheiten, speziell wieviel sie trinken (52 Prozent).

Inkontinenz bleibt weiterhin ein Tabuthema – Spanier am offensten

Obwohl der Austausch mit Freunden und Verwandten über Gesundheitsthemen in den vergangenen Jahren immer offener geworden ist, bleibt Harninkontinenz ein Tabuthema. Wie die Studie zeigt, vertrauen sich 43 Prozent aller Befragten nie ihrem Partner oder ihrer Partnerin an. Vor allem in Tschechien ist dieser Anteil mit 53 Prozent sehr hoch. In Spanien hingegen reden nur 35 Prozent nie mit ihren Partnern. Im Familienkreis verschweigt gut die Hälfte aller Befragten das Thema Harninkontinenz. Betroffene Franzosen sind hier besonders zurückhaltend, Spanier am wenigsten. Freunden gegenüber sind die Betroffenen am wenigsten aufgeschlossen: 66 Prozent sprechen ihre Harninkontinenz nicht im Freundeskreis an. Hier unterscheiden sich die Antworten der Betroffenen in den untersuchten Ländern kaum. In allen untersuchten Ländern sehen die Betroffenen ganz allgemein Bedarf an besserer Aufklärung: So wünschen sich 70 Prozent aller Befragten mehr Informationsangebote zum Thema Harninkontinenz.

Die Leugner

Deutsche Befragte gehören zu denjenigen, die Harninkontinenz am ehesten verleugnen. Sie sehen sich stärker in ihrem täglichen Leben und ihrem seelischen Wohlbefinden eingeschränkt als die Betroffenen anderer Länder.

Die Beschämten

Französische Befragte sind verlegener und verärgerter als die Betroffenen anderer Länder. Sie geben am häufigsten an, keine Kontrolle über ihre Harninkontinenz zu haben.

Die Hacker

Die tschechischen Befragten versuchen am ehesten, mit Hilfe von Tricks (wenig trinken, stets Wechselwäsche mitnehmen, …) ihrer Einschränkungen Herr zu werden. Hinzu kommt, dass sie häufig bestimmte Situationen und Aktivitäten vermeiden.

Die Redner

Die spanischen Befragten fühlen sich nicht so verlegen wie die Betroffenen in anderen Ländern und denken generell positiver über ihre Harninkontinenz. Sie sprechen am ehesten mit ihren Vertrauten und fühlen sich von ihnen unterstützt.

Die Akzeptierer

Schweizer Befragte akzeptieren ihre Harninkontinenz in der Regel häufiger, und sie fühlen sich seltener in ihrem täglichen Leben eingeschränkt.